850 Jahre Schweriner Dom: Vom Vorgängerbau ist nur die Paradiespforte erhalten

Stand: 12.09.2021 14:56 Uhr

Mit einem Festgottesdienst am Sonntag ist in Schwerin das 850. Jubiläum des Doms gefeiert worden. Seine Vorgängerkirche wurde im September 1171 geweiht.

Neben dem Schloss ist er das zweite Wahrzeichen Schwerins: der Dom St. Marien und St. Johannis. In diesem Jahr feiert die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns sein Jubiläum, denn seit 850 Jahren steht an dieser Stelle eine Kirche. Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt sagte in ihrer Predigt, der ganze Dom sei eine Liebeserklärung. Kühnbaum-Schmidt bezog sich in ihrer Predigt auf den Inhalt des 26. Psalms unter dem die Feierlichkeiten zur Domweihe im Jahr 1171 stehen. Trotz der Pandemie-Bedingungen sei es gelungen, für das ganze Jahr ein Festprogramm mit Lesungen, Andachten und einer Kunstausstellung mit dem Staatlichen Museum auf die Beine zu stellen, so die Landesbischöfin. Bezogen auf aktuelle Themen wie Afghanistan, Belarus und den Klimawandel rief sie dazu auf, die Forderung nach Veränderung nicht nur an andere zu richten, sondern selbst bereit zu sein, Verantwortung zu übernehmen.

Anfänge in der Zeit Heinrichs des Löwen

Die erste Kirche an der Stelle war im September 1171 geweiht worden. Damals kam der mächtige Fürst Heinrich der Löwe mit seinem Gefolge in die kleine Stadt, die er wenige Jahre zuvor gegründet und zum Bischofssitz ernannt hatte. Auch Berno, der erste Bischof Schwerins, war dabei, als eine kleine Holzkirche zum Dom geweiht wurde, wie Domprediger Volker Mischok zu berichten weiß. Die Urkunde der Dom-Weihe wird im Landesarchiv in Schwerin aufbewahrt.

150 Jahre Bauzeit

In den Jahren danach wurde damit begonnen, eine romanische Kirche aus Stein zu bauen. Sie wurde 1248 zum Dom geweiht. Von ihr ist heute nur noch das Turmsüdportal übrig, die sogenannte Paradiespforte. Bereits 1270 begann der Bau einer deutlich größeren gotischen Kirche, was bis zur vorläufigen Vollendung noch einmal rund 150 Jahre dauerte. Den 117,5 Meter hohen Turm bekam der Dom allerdings erst Ende de 19. Jahrhundert. Immer noch zählt der Dom zu den wichtigsten Vertretern der norddeutschen Backsteingotik. In Schwerin ist er das letzte verbliebene Gebäude aus dem Mittelalter.

Gleichzeitig Orgel- und Glocken-Jubiläum

Neben dem Dom-Jubiläum hat die Gemeinde zwei weitere Gründe zum Feiern. Vor 150 Jahren wurde die Orgel von Friedrich Ladegast geweiht. Zwei Jahre lang hatte Ladegast in seiner Werkstatt in Weißenfels daran gearbeitet. Dann aber musste das Ende des deutsch-französichen Krieges abgewartet werden, erzählt Domkantor Jan Ernst, bis wieder Eisenbahnwaggons für den Transport nach Schwerin zur Verfügung standen. Ein kleines Jubiläum gilt es für die Glocken zu feiern. Sie wurden vor genau 30 Jahren gegossen.

Weitere Informationen
Das Schweriner Schloss spiegelt sich im See. © Colourbox

Schwerin: Grüne Stadt mit märchenhaftem Schloss im See

Die seenreiche Landeshauptstadt bietet ein Schloss mit goldenen Türmchen, einen mächtigen Dom und eine quirlige Altstadt. mehr

Vorschaubild für den Podcast Kultur auf NDR 1 Radio MV © ndr.de Foto: ndr.de

Der Kunstkaten - 850 Jahre Schweriner Dom

Volker Mischok, Pastor der ev.luth. Domgemeinde Schwerin gibt Einblick in die Geschichte des Doms. mehr

Eine altes Schwarz-Weiß-Foto zeigt eine Demonstration in Waren 1989.

Friedliche Revolution 1989 im Nordosten begann in Waren

In Waren gab es im Herbst 1989 die ersten Demonstrationen in MV für Demokratie und Freiheit. Wenige Tage später ziehen in vielen größeren Städten im Nordosten Zehntausende über die Straßen. mehr

Der Schweriner Dom St. Maria und St. Johannes ist die Haupt- oder auch Bischofskirche der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs in Schwerin. © Stadtmarketing Gesellschaft Schwerin mbH Foto: Insa Winkler

Schweriner Dom

Die drei neuen Glocken des Schweriner Doms wurden 1991 in der Gießerei Metz in Karlsruhe gegossen. Die größte der drei wiegt knapp fünf Tonnen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.09.2021 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Wähler stehen in einer Schlange vor dem Wahllokal in Loitz. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Bürger in Mecklenburg-Vorpommern wählen neuen Landtag

In Mecklenburg-Vorpommern sind heute 1,32 Millionen Menschen aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. 24 Parteien haben mit Landeslisten um Stimmen geworben. mehr