Warten in langer Schlange auf Corona-Test in Wismar © Christoph Woest Foto: Christoph Woest

3G und 2G-Plus sorgen für lange Schlangen vor Testzentren

Stand: 25.11.2021 17:01 Uhr

Gaststätte, Hotel oder Theater - all das ist für Geimpfte und Genesene nur noch mit negativem Test möglich. Die Wirtschaft sieht Mecklenburg-Vorpommern nicht gewappnet für den massiven Ansturm auf die Testzentren. Den Apothekern gehen die Tests aus.

Wegen der angespannten Corona-Lage greift in Mecklenburg-Vorpommern jetzt die 2G-Plus-Regel. Genesene und Geimpfte kommen nur noch in Einrichtungen wie Kino, Café oder Restaurant, wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen. Die Wirtschaft warnt vor Engpässen bei den Testzentren und fürchtet massive Folgen.

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Stundenlanges Warten, keine freien Termine in Testzentren

Schon am Mittwoch waren vielerorts Testmöglichkeiten ausgebucht - gerade in Apotheken. Vor den Testzentren in vielen Städten wie etwa Wismar und Schwerin bildeten sich mehr als 100 Meter lange Warteschlangen. Wartende erklärten, dass sie stundenlang angestanden hätten. Zu Wartezeiten sei es auch trotz vorheriger Terminvergabe gekommen, hieß es. Einige Schnelltestzentren im Land sind über Tage ausgebucht. Das von der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) betriebene Corona-Schnelltestzentrum in der Greifswalder Innenstadt etwa hat bis Montag keine freien Termine mehr, wie ein UMG-Sprecher erklärte.

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Ungeimpfte benötigen bei 3G täglich einen Test

Als zusätzliche Belastung gilt die 3G-Regel in Bussen und Bahnen sowie am Arbeitsplatz. Dort brauchen Ungeimpfte einen täglichen Negativ-Test. Als Folge der verschärften Testpflichten sowohl für Geimpfte als auch Ungeimpfte befürchtet der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, die Menschen würden sich in der Freizeit die Mühe eines Testnachweises ersparen und auf den Besuch im Restaurant oder Café verzichten, erste Betreiber würden die Öffnungszeiten einschränken. "Das wird für uns ein ganz ganz bitteres Weihnachtsfest", sagte Dehoga-Präsident Lars Schwarz. Viele Betriebe müssten nun wieder entscheiden, ob sie weniger Geld verlieren, wenn sie gar nicht öffnen oder Speisen nur zum Mitnehmen anbieten. Ab heute werde es in der Gastronomie im Nordosten sehr einsam und düster. Die Lage ist laut Schwarz auch deshalb besonders bitter, da die Gastronomen die Politik frühzeitig gewarnt hätten.

Ministerium räumt vorübergehenden Engpass ein

Der Tourismusverband erklärte, angesichts der dramatischen Lage habe sich die Politik zu dem Schritt gezwungen gesehen, der jetzt jedoch Verwirrung schaffe. Das Gesundheitsministerium räumte ein, dass die Testkapazitäten kurzfristig nicht ausreichen würden - vor allem auf dem Land. "Sie sind noch nicht ausreichend. Das muss man ganz offen sagen", räumte Sprecher Alexander Kujat gegenüber dem NDR ein. Der Bedarf an Tests sei sehr groß geworden, es gebe "einen absoluten Run" auf die Tests. Die Testmöglichkeiten würden aber innerhalb kurzer Zeit von 140 auf 300 ausgeweitet.

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Apotheker: Keine Tests mehr am Markt verfügbar

Bisher haben vor allem Apotheken Tests angeboten. Allerdings gehen ihnen die Tests bereits aus, kurz nachdem die neuen Regeln greifen, wie Axel Pudimat, Chef des Apothekerverbandes in Mecklenburg-Vorpommern, auf Anfrage von NDR 1 Radio MV erklärte. "Es sind keine Tests mehr am Markt verfügbar", so Pudimat. "Es sieht derzeit so aus, als wenn es zumindest jetzt in den nächsten Tagen schwierig wird bis sehr schwierig. Sie müssten sich eigentlich testen lassen, aber Sie können sich gar nicht testen lassen, weil keine Tests verfügbar sind."

Ministerium empfiehlt: Selbst einen Tests mitbringen und vor Ort testen lassen

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums wies auf andere Möglichkeiten hin: Arbeitgeber könnten ihren ungeimpften Mitarbeitern Tests anbieten, das gleiche gelte für Cafés und Restaurants. "Besucher oder Gäste in Restaurants können auch Tests mitbringen und sich unter Aufsicht vor Ort testen lassen. Diese Möglichkeit beinhaltet ausdrücklich die Landesverordnung", so Kujat. Der Sprecher meinte mit Blick auf die fehlenden Tests, dass in den nächsten Tagen sicher nachgeliefert werde. Die neuen Regeln seinen aber notwendig, denn die Lage sei ernst und es gehe auch um Kontaktreduzierung.

Kommunalverband: "Das ist rücksichtslos"

Der Städte- und Gemeindetag in Mecklenburg-Vorpommern beklagte sich über die Kommunikation über der verschärften Corona-Maßnahmen. "Es fehlt die klare Kommunikation, damit Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Kulturtreibende, Schaustellende der Weihnachtsmärkte und vor allem auch die umzusetzenden Ebene verstehen können, was nun gelten soll", hieß es in einer Mitteilung. Der Ernst der Corona-Situation sei offenkundig erst spät erkannt worden, jetzt wurde aus Sicht der Kommunalvertreter hektisch geregelt und verordnet. Besonders die Regeln kurzfristig auch für Geimpfte und Genesene zu verschärfen, habe die Kommunen unvorbereitet getroffen. Aus Sicht des Städte- und Gemeindetages hätte die Landesregierung mehr Zeit einräumen müssen, um sich auf die Maßnahmen einzustellen. Der aktuellen Handhabung wird ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt: "Das ist rücksichtslos und untergräbt politisches Vertrauen".

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 25.11.2021 | 15:30 Uhr

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