Stand: 26.07.2018 19:30 Uhr

34 Grad: Heiße Tage im Nordosten

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Sonne, Hitze, blauer Himmel: Es ist Hochsommer in Mecklenburg-Vorpommern.

Mecklenburg-Vorpommern erlebt derzeit die bislang heißesten Tage des Jahres. In Boizenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) zeigte das Thermometer am Donnerstagnachmittag landesweit den höchsten Wert mit 33,7 Grad an, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Am Freitag soll es ähnlich warm werden. Die seit Wochen anhaltende Trockenheit führte bisher zu zahlreichen Bränden.

Hitzerekord noch weit entfernt

Von Rekordtemperaturen ist die Hitze jedoch noch ein Stück weit entfernt. So wurden laut dem Meteorologen Stefan Kreibohm am 9. August 1992 in Teterow (Landkreis Rostock) 38,7 Grad gemessen. Der bisher höchste Wert Mecklenburg-Vorpommerns in einem Juli wurde mit 37 Grad am 4. Juli 2015 in Boizenburg gemessen, wie aus Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hervorgeht.

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Schon zwölf Badetote

Obwohl die Badesaison noch lange nicht vorbei ist, hat die Zahl der Badetoten bereits das Vorjahresniveau überschritten. Bis zum Dienstag kamen an der Ostsee und den Binnengewässern nach Angaben der Landeswasserschutzpolizei insgesamt zwölf Menschen ums Leben - und damit einer mehr als 2017. Grund für die Zunahme der Zahlen sei sicher das gute Badewetter in diesem Jahr, hieß es von der Polizei. DLRG und Wasserwacht empfehlen, unbedingt an bewachten Stränden baden zu gehen.

Zahl der Rettungseinsätze steigt

Die Zahl der Rettungseinsätze hat sich bei den heißen Temperaturen in einigen Landkreisen deutlich erhöht. In der integrierten Leitstelle in Stralsund rufen normalerweise bis zu 650 Menschen pro Tag an, derzeit sind es 850 teilt der Landkreis Vorpommern-Rügen mit. Dort werden jetzt auch vermehrt Rettungswagen losgeschickt. Auch an der Mecklenburgischen Seenplatte, in Nordwestmecklenburg, Ludwigslust-Parchim und Schwerin werden etwa ein Drittel mehr Einsätze gefahren. Es seien einfach mehr Menschen im Land, teilt ein Landkreissprecher mit. Aber auch die Hitze sorgt wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erschöpfung oder Dehydrierung für höhere Einsatzzahlen. Experten raten deswegen, viel Wasser zu trinken, die direkte Sonne zu meiden und sich insgesamt zu schonen.

Hotline mit medizinischen Tipps

Anlässlich der anhaltenden Hitzewelle hat die Krankenkasse Barmer eine medizinische Hotline geschaltet. Unter der Telefonnummer 0800 8484 111 informieren Ärzte über konkrete gesundheitliche Risiken durch die Hitze, was man im Notfall tun sollte und wie man am besten vorbeugt. Die kostenlose Hotline ist bis zum 2. August jeweils von 9 Uhr bis 21 Uhr geschaltet.

Binnenwasserstände so niedrig wie sonst im September

Die Müritz und und weitere Seen an der Seenplatte wie etwa Plauer See, Fleesensee und Kölpinsee leiden nach der wochenlangen Trockenheit. "51 Prozent des bewirtschafteten Wasservolumens sind verbraucht", sagte Gewässerkundler Toralf Henke vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt in Neubrandenburg. Damit seien die Wasserstände jetzt schon so niedrig wie sonst Mitte September. Zum Glück seien die Gewässer Anfang April übervoll gewesen.

Niedrigwasser auf der Elbe

Auf der Elbe ist die Berufsschifffahrt wegen Niedrigwassers schon seit einiger Zeit eingestellt worden. Die Pegelstände gehen seit Tagen weiter nach unten. In Dömitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) lag der Messwert am Dienstag bei nur noch 29 Zentimetern. Das Durchschnitts-Niedrigwasser am Pegel Dömitz über zehn Jahre liegt bei 67 Zentimetern. Der Stand jetzt ist also fast 40 Zentimeter darunter. 1947 wurde in Dömitz der niedrigste Wert gemessen - 6 Zentimeter.

Höchste Waldbrandgefahrenstufe im Müritz-Nationalpark

Was die Urlauber im Land freut, stellt Landwirte, Feuerwehrleute, Rettungsschwimmer und ältere Menschen vor Herausforderungen. Die anhaltende Trockenheit lässt die Waldbrandgefahr weiter steigen. In Teilen des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte sowie Westmecklenburgs wurde die höchste Waldbrandgefahrenstufe 5 ausgerufen. Der Wald darf außerhalb der Wege nicht mehr betreten werden. Rauchen und offenes Feuer sind verboten und Autos sollten nicht auf trockenen Wiesen- und Waldflächen abgestellt werden.

Monats-Niederschläge zwischen 4 und 97 Litern pro Quadratmeter

Nennenswerte Regenmengen sind laut Meteorologe Kreibohm weiterhin nicht in Sicht. Der Niederschlag war diesen Monat im Land sehr unterschiedlich verteilt. An drei Messstationen sei wegen örtlicher Schauer sogar der Monatsmittelwert bereits überschritten worden. Am meisten habe es bis Montag in Tribsees geregnet (97,1 Liter pro Quadratmeter). Dagegen fielen den Angaben zufolge bei der Messstation Hiddensee-Vitte (beide Landkreis Vorpommern-Rügen) nur 4,4 Liter.

Rekordwasserverbrauch in Rostock

Einen höheren Wasserverbrauch verzeichnet Rostock. Dort ist in diesem Sommer der bisherige Spitzenwert des täglichen Wasserverbrauchs übertroffen worden. Am 1. Juni seien 45,5 Millionen Liter und damit etwa 500.000 mehr als beim bisherigen Tageshöchstwert vom Sommer 2004 verbraucht worden, teilte das Unternehmen Nordwasser mit. Auch in den vergangenen Tage sei der Verbrauch sehr hoch gewesen. Dieser habe zwischen 38 und 44 Millionen Litern geschwankt. 2017 seien zwischen Juni und Juli Werte von 30 bis 38 Millionen Litern gemessen worden.

Umweltministerium: Trinkwasserversorgung gesichert

Dennoch ist die Versorgung mit Trinkwasser in Rostock und ganz Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben des Umweltministeriums gesichert. Umweltminister Till Backhaus (SPD) rief zum sparsamen Umgang mit Wasser auf. Im Nordosten gibt es rund 50 Zweckverbände, Stadtwerke und andere Betreiber, die im Auftrag der Städte und Gemeinden die Trinkwasserversorgung mit rund 500 Wasserwerken sicherstellen. 85 Prozent des Trinkwasserbedarfes im Land wird aus Grundwasser gedeckt, der Rest aus Oberflächenwasser.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.07.2018 | 18:30 Uhr

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