Stand: 19.07.2019 18:04 Uhr

25 Jahre Fusionsforschung in Greifswald

Blick in das Plasmagefäß der Fusionsanlage: Das erste Wasserstoff-Plasma in "Wendelstein 7-X" wurde am 3. Februar 2016 erzeugt. Es dauerte eine viertel Sekunde und erreichte eine Temperatur von rund 80 Millionen Grad Celsius.

In Greifswald hat das Institut für Plasmaphysik (IPP) am Freitag sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. Zur Festveranstaltung waren Vertreter aus Politik und Wissenschaft sowie die Belegschaft des Instituts geladen. Vor einem Vierteljahrhundert wurde mit einem Kooperationsvertrag zwischen dem Land Mecklenburg-Vorpommern und dem Max-Planck-Institut im bayerischen Garching in Greifswald der Grundstein für die weltweit größte Fusionsanlage des Typen "Stellarator" gelegt.

Energie wie auf der Sonne erzeugen

In der 400 Millionen Euro teuren Anlage "Wendelstein 7-X" wird die Kernfusion erforscht, wie sie auf der Sonne abläuft. Mit dem Kernfusionsexperiment wollen die Wissenschaftler des IPP erproben, wie dauerhaft Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen gewonnen werden kann. Dazu wird Plasma in einem Magnetfeld eingeschlossen und auf Temperaturen über 100 Millionen Grad erhitzt. Vor drei Jahren erzielte das Großexperiment "Wendelstein 7-X" einen neuen Weltrekordwert für die im Plasma gespeicherte Energie. Erstmals überstieg der Energiegehalt des Plasmas Rekordwerte und Temperaturen um 20 Millionen Grad Celsius. Werte, die nach Angaben des Instituts für ein künftiges Kraftwerk ausreichen würden. Möglich wurde dies auch, weil der "Stellarator" vor wenigen Jahren im Inneren mit Kacheln aus Grafit ausgestattet wurde, die höhere Temperaturen und längere Plasmaentladungen ermöglichen.

"Wendelstein 7-X": Der Sonnen-Simulator

Wendelstein rüstet auf

Ziel der Forschung am Institut ist es, ein klima- und umweltfreundliches Kraftwerk zu entwickeln. "Wendelstein 7-X" wird selbst keine Energie entwickeln, sondern soll beweisen, dass die Technologie zur Energiegewinnung geeignet ist. Derzeit wird die Anlage am Standort Greifswald aufgerüstet, um zu überprüfen, ob "Wendelstein 7-X" dauerhaft heißes Wasserstoff-Plasma aufrechterhalten kann. Nach Angaben des IPP wird es noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis die Kernfusion den Menschen Energie liefern kann. Die von Bund, Land und EU bis heute getragenen Investitionskosten für den Forschungsstandort belaufen sich auf über eine Milliarde Euro.

Weltweit modernste "Stellarator"-Anlage

"Wendelstein 7-X" ist nach Institutsangaben das modernste und neben einer Anlage in Japan das weltweit größte Fusionsexperiment vom Typ "Stellarator". Mit ITER befindet sich ein kompletter Forschungs-Kernfusionsreaktor in Frankreich im Bau. Dieser setzt allerdings auf die Bauform "Tokamak", um das Magnetfeld zu erzeugen. Auch in den USA und China gibt es ehrgeizige Projekte.

Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald

Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik wurde 1960 in Garching bei München gegründet. Ziel ist die Fusionsforschung, um später Kraftwerke zu errichten, in denen Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen gewonnen wird. 1994 wurde in Greifswald das Teilinstitut gegründet, um dort mit "Wendelstein 7-X" das weltweit größte Fusionsexperiment vom Typ "Stellerator" zu errichten. In Greifswald arbeiten rund 500 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker aus 16 Ländern. Das Max-Planck-Institut ist Partner in einem internationalen Forschungsnetz, das sich von den USA über Japan, China nach Russland und Europa erstreckt. Der Start der Vorbetriebsphase ist mit einem Umbau der Mitarbeiterstruktur verbunden. Die Zahl der Ingenieure und Techniker wird von 350 auf 210 reduziert, dafür werden mehr Wissenschaftler eingestellt. (Quelle: dpa)

Weitere Informationen

Wendelstein 7-X: Was passiert im Sonnen-Simulator?

Energie wie auf der Sonne zu erzeugen, ist ein alter Traum der Menschheit. Mit dem Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X" kommt die Wissenschaft der Erfüllung einen Schritt näher. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.07.2019 | 12:00 Uhr

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