Zeitzeichen

27. September 1940

Sonntag, 27. September 2020, 19:05 bis 19:20 Uhr, NDR Info

Seiten eines Kalenders © Fotolia_80740401_Igor Negovelov

Tod eines Kritikers

Sendung: ZeitZeichen | 27.09.2020 | 10:00 Uhr | von Duhm-Heitzmann, Jutta

Am 27. September 1940 nimmt sich Walter Benjamin aus Angst vor einer erneuten Inhaftierung das Leben. Der Autor und Literaturkritiker hinterließ brillante Abhandlungen.

Der Todestag des Literaturkritikers und Schriftstellers Walter Benjamin
Ein Beitrag von Jutta Duhm-Heitzmann (WDR)

Walter Benjamin war einer der eigenwilligsten und vielseitigsten Intellektuellen der Weimarer Republik. Er entstammte dem wohlhabenden assimilierten Berliner Judentum, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in Freiburg und fand in diesen drei Wissensgebieten auch die Themen, zu denen er seine brillanten Abhandlungen schrieb: Über Kunst ("Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit" ist fast zum geflügelten Wort geworden), Literatur ("Über den Ursprung des deutschen Trauerspiels") und Philosophie. Dort beschäftigte er sich unter dem Einfluss der "Frankfurter Schule" um Theodor W. Adorno zunehmend, wenn auch kritisch-distanziert, mit dem dialektischen Materialismus, blieb aber ideologisch und thematisch ungebunden.

Dass er nebenbei noch ein bemerkenswerter Schriftsteller war, zeigen die Erinnerungen an seine "Berliner Kindheit um neunzehnhundert" und die Beobachtungen als Großstadtflaneur in "Passagen". Doch all das endete mit der Machtergreifung Hitlers. 1933 emigrierte Walter Benjamin nach Frankreich, wurde dort aber bei Kriegsbeginn 1939 eine Zeit lang als politischer Flüchtling interniert. Eine traumatische Erfahrung: Während seiner Flucht mit Ziel USA nahm er sich am 27. September 1940 aus Angst vor einer erneuten Inhaftierung im spanischen Grenzort Portbou das Leben - er war 48 Jahre alt.