Zeitzeichen

18. November 1945

Mittwoch, 18. November 2020, 20:15 bis 20:30 Uhr, NDR Info

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Sonderfall der Musikgeschichte

Sendung: ZeitZeichen | 18.11.2020 | 10:00 Uhr | von Kosfeld, Christian

Am 18. November 1945 wird die "Genesis Suite" uraufgeführt, in der die ersten Kapitel des Buches Mose vertont sind. Sie ist ein Gemeinschaftswerk mehrerer Komponisten.

Die Uraufführung der "Genesis Suite"
Ein Beitrag von Christian Kosfeld (WDR)

Sie ist ein Sonderfall der Musikgeschichte. Die "Genesis Suite" entstand ab 1944 auf Anregung des Film-Komponisten Nathaniel Shilkret. Er hatte die Idee, dass verschiedene Komponisten die ersten Kapitel des Buches Mose vertonen könnten und gewann dafür berühmte Namen: Arnold Schönberg und Igor Strawinsky, Darius Milhaud und Mario Castelnuovo-Tedesco, Ernst Toch, Alexandre Tansman.

Sechs der Komponisten waren jüdischen Glaubens, fünf von ihnen aus Europa in die Vereinigten Staaten geflohen. Die Avantgardisten Schönberg und Strawinsky konnten sich nicht ausstehen, Shilkret und Castelnuovo-Tedesco steuerten Film-Musik-Klänge bei, Milhaud und Toch gemäßigt moderne Musik. Und so entstand eine siebensätzige Suite in sehr unterschiedlichen Personalstilen, mit Rezitationen von Bibeltexten. Nach der Premiere am 18. November 1945 in Los Angeles wurde die "Genesis Suite" in mehreren US-amerikanischen Städten aufgeführt und aufgenommen. Doch ein Feuer in Shilkrets Haus vernichtete einen großen Teil des Notenmaterials. Erst in den 1990er-Jahren wurden die fehlenden Sätze rekonstruiert. Heute gilt die Suite als einzigartiges musikalisches Dokument der Emigrantengesellschaft im kalifornischen Exil.