Zeitzeichen

20. Dezember 1910

Sonntag, 20. Dezember 2020, 19:05 bis 19:20 Uhr, NDR Info

Seiten eines Kalenders © Fotolia_80740401_Igor Negovelov

Hitlers Alibi-Sportlerin

Sendung: ZeitZeichen | 20.12.2020 | 10:00 Uhr | von Kath, Andrea

Am 20. Dezember 1910 wird Helen Mayer geboren. Die Fechterin war bei den Olympischen Spielen 1936 die einzige Jüdin in der deutschen Mannschaft.

Der Geburtstag der deutsch-amerikanischen Fechterin Helene Mayer
Ein Beitrag von Andrea Kath (WDR)

Sie war Hitlers Alibi-Frau. Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin war die Florett-Fechterin Helene Mayer die einzige Jüdin in der deutschen Mannschaft. Ihr Markenzeichen waren ein weißes Stirnband und geflochtene Zöpfe. Hochgewachsen, blond und blauäugig war Helene Mayer ein teutonisches Ideal. Sie war die beste Fechterin ihrer Zeit.

1928 holte die gerade 17-Jährige die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Amsterdam. Die blonde "He" wurde über Nacht zum gefeierten Star. Erst eine jüdische Zeitung machte öffentlich, dass ihr Vater ein jüdischer Arzt in Offenbach war. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten erlebte Helene Mayer 1933 in den USA, wo sie mit einem Stipendium studierte. Die Nazis strichen ihr die Unterstützung, ihr Offenbacher Fechtclub tilgte sie von der Mitgliederliste. Trotzdem sagte sie zu, als Hitler sie für seine Olympischen Spiele 1936 nach Berlin holen wollte. Warum, darüber gibt es bis heute Spekulationen. Für die Nationalsozialisten war es ein PR-Coup, der weltweit Schlagzeilen machte. Helene Mayer, die Jüdin, kämpfte für Nazi-Deutschland und holte auch noch die Silbermedaille. 1937 siedelte sie dauerhaft in die USA über, wurde 1940 US-amerikanische Staatsbürgerin. Erst 1952 kehrte Helene Mayer nach Deutschland zurück. Sie heiratete und starb nur ein Jahr später mit 42 Jahren in Heidelberg an Brustkrebs.