Zeitzeichen

2. Oktober 1920

Freitag, 02. Oktober 2020, 20:15 bis 20:30 Uhr, NDR Info

Seiten eines Kalenders © Fotolia_80740401_Igor Negovelov

Halb vergessener Komponist

Sendung: ZeitZeichen | 02.10.2020 | 10:00 Uhr | von Rudolph, Niklas

Am 2. Oktober 1920 stirbt Max Bruch. Der rheinische Komponist wurde von den Nazis komplett vom Spielplan gestrichen. Davon hat sich sein Andenken bis heute nicht erholt.

Der Todestag des Komponisten Max Bruch
Ein Beitrag von Niklas Rudolph (WDR)

Die Musikgeschichte hat dem rheinischen Komponisten Max Bruch Unrecht getan. Von all seinen hörenswerten Opern, Sinfonien, Stücken für Männerchor hat lediglich sein erstes Violinkonzert in g-Moll die Zeitläufte überdauert - dabei hat Bruch alles komponiert, was man "große Kunst" nennen kann.

Max Bruch war konservativ, er verehrte Felix Mendelssohn-Bartholdy und verachtete die Musik von Arnold Schoenberg und Gustav Mahler. Er legte sich an mit Richard Strauss und Max Reger, tat ihre Errungenschaften als "musikalischen Sozialdemokratismus" ab. Sogar für Otto von Bismarck schrieb er ein Oratorium. Max Bruchs Komposition "Kol Nidrei" für Orchester und Cello op. 47, basierend auf dem jüdischen Gebet "Kol Nidre" sollte ein Erfolg bei den jüdischen Mitmenschen werden. Das führte schließlich dazu, dass die Nazis die Musik des Rheinländers komplett von den Spielplänen tilgten. Davon hat sich sein Andenken bis heute nicht erholt. Dabei hat Max Bruch unübersehbar Spuren hinterlassen - am Rhein und in der Musikgeschichte.