Zeitzeichen

13. Juni 1865

Samstag, 13. Juni 2020, 19:05 bis 19:20 Uhr, NDR Info

Der Geburtstag des Fotografen Karl Blossfeldt
Ein Beitrag von Veronika Bock und Ulrich Biermann (WDR)

Unverfälschtes Sehen, ohne persönliche Note, ohne Veränderung - das war Fotografie für Karl Blossfeldt. Erst spät wurde sein künstlerisches Werk, das er nie als solches angelegt hatte, entdeckt. Zeitgenossen galt er als Relikt. Heute wird er gefeiert als Pionier eines neuen fotografischen Sehens.

Nur ein Zufall brachte die Fotografien Karl Blossfeldts in die Öffentlichkeit. Da war er schon über 50 Jahre alt und lehrte in Berlin als Professor an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst. Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatte er seine Technik Pflanzen zu fotografieren perfektioniert. Die Studio-Aufnahmen dienten als Unterrichtsmaterialien im Fach "Modellieren nach lebenden Pflanzen" und machten durch ihre bis zu 45-fache Vergrößerung selbst die kleinsten Details und Formen der Natur sichtbar. Erst 1926 wurde ein Galerist auf diese Bilder aufmerksam und erkannte deren künstlerischen Wert. Als 1928 der Bildband "Urformen der Kunst" mit 120 Pflanzentafeln erschien, war er sogleich ein internationaler Erfolg, auch weil in der Kunst die Forderung nach einer klaren Bildsprache, ohne künstlerische Umschweife laut wurde. Heute gehören die fast 6.000 Pflanzen-Aufnahmen Blossfeldts zu den Klassikern der Kunst- und Fotografiegeschichte und weisen eine große Nähe zu sehr viel späteren Künstlern und Konzepten.