Zeitzeichen

16. Februar 2005

Sonntag, 16. Februar 2020, 19:05 bis 19:20 Uhr, NDR Info

Das Kyoto-Protokoll tritt in Kraft
Ein Beitrag von Thomas Pfaff (WDR)

Zu wenig, zu langsam, zu unverbindlich: Der jahrzehntelange Verhandlungsprozess zur Begrenzung der Erderwärmung durch Treibhausgase ist ein Armutszeugnis für die internationale Politik. Seit Rio 1992 streitet die Weltgemeinschaft darüber, wer bis wann wie viel CO2 und andere Klimagase reduzieren soll. Im japanischen Kyoto trat vor 15 Jahren ein Abkommen in Kraft, das erstmals wenigstens die Industrieländer zu konkreten Klimazielen verpflichtete.

Dabei wurde auch ein "Clean Development Mechanism" (CDM) eingeführt, der Industrieländern erlaubte, eigene Klimaziele auch mit Klimainvestitionen in sogenannten Entwicklungsländern zu erreichen - für Kritiker des Abkommens ein "Freikaufen" von eigenen Verpflichtungen. Die Kyoto-Ziele waren schon damals erkennbar viel zu wenig ehrgeizig und wichtige Staaten - so die USA und Kanada - zogen ihre Zusagen später wieder zurück. Die Versäumnisse der Vergangenheit holen uns heute ein: 2017 und 2018 waren Rekordjahre der vom Klimawandel verursachten Naturkatastrophen. Auch der derzeit von Ursula von der Leyen oder den deutschen Grünen propagierte "Green New Deal" kann das Problem nicht lösen, denn die Ursachen liegen tiefer: im Wachstumszwang unseres Wirtschaftssystems, des Kapitalismus.