Zeitzeichen

17. Juli 1925

Freitag, 17. Juli 2020, 20:15 bis 20:30 Uhr, NDR Info

Der Geburtstag der Cellistin Anita Lasker-Wallfisch
Ein Beitrag von Almut Finck (WDR)

Ihre Eltern, der Vater Rechtsanwalt, die Mutter Geigerin, wurden 1942 aus Breslau deportiert. Anita Lasker sah sie nie wieder. Sie und ihre Schwester Renate wurden von den Nazis zur Arbeit in einer Papierfabrik gezwungen. Dort begannen sie Ausweise zu fälschen, um Juden zur Flucht zu verhelfen. Sie wurden erwischt und kamen ins Gefängnis. Das rettete Anita Lasker das Leben - zum ersten Mal. Fünf Monate später wurde sie nach Auschwitz gebracht - als Kriminelle.

Als Jüdin wäre sie vermutlich direkt in der Gaskammer gelandet. Stattdessen wies man sie an, mit dem Frauenorchester aufzutreten, das Alma Rosé, eine Nichte Gustav Mahlers, in Auschwitz gegründet hatte. Anita Lasker war Cellistin - das rettete ihr noch einmal das Leben. Täglich mussten die Musikerinnen Märsche spielen, um die Häftlinge zur Arbeit anzutreiben. Sonntags gaben sie Konzerte für die SS. Ende 1944 wurde Anita Lasker nach Bergen-Belsen transportiert und dort von den Briten befreit. Nach ihrer Emigration heiratete sie in Großbritannien den ebenfalls aus Breslau stammenden Pianisten Peter Wallfisch. Fünf Jahrzehnte lang schwieg sie über ihre Kindheit und die Schrecken von Auschwitz, selbst vor den eigenen Kindern. Erst 1994 reiste sie wieder nach Deutschland, schrieb 1996 ihre Autobiografie und sprach seither zu Tausenden von Schülern und Schülerinnen.

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