Zeitzeichen

22. Juni 1805

Montag, 22. Juni 2020, 20:15 bis 20:30 Uhr, NDR Info

Der Geburtstag der Schriftstellerin Ida Hahn-Hahn
Ein Beitrag von Jutta Duhm-Heitzmann (WDR)

"Wer das Reisen wie eine oberflächliche Zerstreuung betrachtet, der gehe nicht in den Orient." Kurz und bündig brachte Ida Hahn-Hahn Erfahrungen auf den Punkt, die sie 1843 während einer langen Reise in den Nahen Osten gemacht hatte. Der war damals an Fremdheit und Exotik kaum noch zu überbieten - für eine abenteuerlustige Schriftstellerin aber ein Sehnsuchtsort, an dem sie Wissen, Erlebnisse und vor allem süffigen literarischen Stoff für ihre "Orientalischen Briefe" sammeln konnte.

Geboren wurde Ida Gräfin von Hahn in Mecklenburg, Nachfahrin einer alten Adelsfamilie. Ihre Erziehung war streng konservativ, das heißt kaum Bildung für Mädchen und später eine arrangierte Ehe mit einem Cousin, dem Grafen von Hahn. Als die scheiterte, begann für sie der Aufbruch in die große Freiheit. Sie reiste, oft zusammen mit ihrem neuen Lebensgefährten Adolf Freiherr von Bystram. Und sie schrieb. Ihre Berichte und emanzipatorischen Romane wie "Faustine" machten sie zu einer der meistgelesenen - und meistangefeindeten - Autorinnen ihrer Zeit. Doch nach Bystrams Tod 1849 verlor Ida Gräfin von Hahn ihre Lust am Abenteuer. Sie zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück, konvertierte zum Katholizismus und gründete in Mainz das Kloster "Vom guten Hirten", in dem sie als weltliche Ordensfrau bis zu ihrem Tod 1880 lebte.