Zeitzeichen

19. Juli 1970

Sonntag, 19. Juli 2020, 19:05 bis 19:20 Uhr, NDR Info

Der Todestag des Architekten Egon Eiermann
Ein Beitrag von Jörg Biesler (WDR)

Er gilt heute als prägender Architekt der Nachkriegszeit, der der jungen Bundesrepublik ein Gesicht gab, mit Glas und filigranen Stahlstützen. Durchsichtig, einladend, demokratisch, so sind diese Gebäude beschrieben worden - ganz sicher waren sie ganz anders als die steinernen Monumentalbauten der Nationalsozialisten. Da Egon Eiermann zunächst vor allem Fabriken und Krankenhäuser entwarf, konnte er auch während Krieg und Diktatur bei der Formensprache der Moderne bleiben.

Das war jedoch kein politischer Akt, denn Eiermann hat auch eine Kaserne gebaut und war an der Gestaltung einer Propaganda-Ausstellung für Adolf Hitler beteiligt. Nach der Befreiung aber wurde Eiermanns Moderne geradezu staatstragend und auf eine architektonisch-diplomatische Mission geschickt. Zusammen mit Sepp Ruf entwarf er den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Brüssel 1958: Acht elegante Glaskuben zeigten Deutschland als geläuterte, bescheidene und freundliche Nation. Ähnlich die deutsche Botschaft in Washington, die Eiermann 1964 als an den Hang geschmiegtes, wie auf die Seite gekippt wirkendes Hochhaus entwarf oder der filigrane "Lange Eugen", das Abgeordnetenhochhaus des Bundestags in Bonn. Als er in Berlin 1960 die neue Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche plante, zog er einen medialen Shitstorm auf sich, weil er alle Ruinen des Altbaus beseitigen wollte. Und so steht der Turm bis heute neben der neuen Halle von Egon Eiermann, die abends leuchtet wie ein blauer Kristall.

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Blick auf moderne Wohnhäuser und ein Wasserbecken in Neu-Altona (Holstenstraße) in den 1960er-Jahren. © Neue Heimat, Hamburgisches Architekturarchiv

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