Zeitzeichen

7. April 1870

Dienstag, 07. April 2020, 20:15 bis 20:30 Uhr, NDR Info

Der Geburtstag des Schriftstellers und Anarchisten Gustav Landauer
Ein Beitrag von Christoph Vormweg (WDR)

Ein Anarchist in einer Regierung? Geht das? 1919 ließ sich Gustav Landauer in der Münchner Räterepublik zum "Volksbeauftragten" für Kultur ernennen. Seine erste Amtshandlung: die Abschaffung der Prügelstrafe in Schulen. Drei Tage später trat er zurück.

Realpolitik war Gustav Landauers Sache nicht. Mit 21 Jahren ging der gebürtige Karlsruher nach Berlin und wurde leitender Redakteur des Wochenblatts "Der Sozialist". Als Redner und Kritiker agitierte er gegen das Kaiserreich, gegen Militarismus, Willkürjustiz und Antisemitismus. "Mein Deutschtum und Judentum", bekannte er, "tun einander nichts zuleid und vieles zulieb". Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde das große Feindbild, der Kaiser, entmachtet. Auch die Hoffnungen des Anti-Marxisten und Anarchisten Gustav Landauer blühten. In der Münchner Räterepublik wollte er mithelfen, ein neues, gerechteres und freieres Miteinander aufzubauen. Doch als Ende April 1919 rechte Freikorps-Verbände auf München zumarschierten, nahm das Drama seinen Lauf.