Stand: 27.05.2020 18:00 Uhr

Vom Transall-Stützpunkt zum Drohnen-Cluster?

von Christian Wolf
Zwei Soldaten laufen eine Transall-Maschine zu. © NDR Foto: Maximilian Engel
Die Transall wurde vor mehr als 50 Jahren in Dienst gestellt. Eigentlich sollte die Maschine bereits längst ausgemustert werden.

Das Erkennungsmerkmal der Transall ist das laute Dröhnen der Flugzeug-Propeller. Allzu oft ist es inzwischen allerdings nicht mehr rund um den Fliegerhorst Hohn zu hören. Die 12 verbliebenen Transport-Maschinen starten und landen nur noch selten auf der mehr als zweieinhalb Kilometer langen Piste. Viele Anlieger waren der Meinung, dass es nach 2021 erheblich ruhiger wird rund um den Hohner See und dem angrenzendem Fockbecker Moor. Eine mögliche Konversion des riesigen Areals stand zur Debatte. Die Nutzung als ziviler Flugplatz samt Flugzeug-Werft wurde von Wirtschaft und Politik favorisiert.

Standort soll bleiben

Doch vor rund einem halben Jahr kam dann für viele überraschend die Ankündigung, dass die Luftwaffe auch künftig, trotz der Auflösung des Lufttransportgeschwaders 63, an dem Standort festhalten will. Entsprechend groß war damals die Freude – etwa bei Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Daniel Günther. Er sprach von einer richtig guten Nachricht für die Region. Es sei gut für das Land, "dass wir einen weiteren Flugplatz in der Größenordnung haben. Man muss jetzt gucken, was kommt da auch konkret hin."

Ausweichflugplatz für die Luftwaffe

Schnell gab es Spekulationen, wie der Flugplatz Hohn künftig genutzt werden soll. Als zusätzlicher Stützpunkt für Tornados? Oder für ein neues Eurofighter Geschwader? Aus dem Bundesverteidigungsministerium heißt es dazu:

"Der Flugplatz wird weiterhin benötigt. Er soll durch die Luftwaffe unter anderem als Ausweichflugplatz weiterbetrieben werden. Derzeit laufen Untersuchungen zu einer möglichen, darüberhinausgehenden Nutzung. Allerdings befinden sich diese Untersuchungen aktuell noch in einer sehr frühen Phase."

Nutzung als Ausweichflugplatz – was das aber konkret bedeutet, hat das Verteidigungsministerium bisher offen gelassen.

Stationierung neuer Aufklärungsflugzeuge?

Drei Soldaten stehen auf dem Nato-Flugplatz in Hohn und schauen auf eine Transportermaschine. © dpa-Bildfunk Foto: Daniel Reinhardt
In Hohn sind gegenwärtig nur noch rund 10 Transall stationiert.

Johann Wadephul von der CDU ist Bundestagsabgeordneter für den Kreis Rendsburg-Eckernförde, also der Heimat des Fliegerhorstes. Der 57-Jährige hat klare Vorstellungen von der Zukunft des Standortes. Die sieht er nach eigenen Worten auch im Zusammenspiel mit dem nur wenige Kilometer entfernten Fliegerhorst Jagel. Vor allem wenn dieser für unbemannte Flugzeuge – also Drohnen – ausgebaut werde, sei Hohn mit seinen Abstellflächen wichtig, sagt Wadephul. "Er ist darüber hinaus für alle Luftfahrzeuge der Bundeswehr ein wichtiger Alternativ-Flughafen. Und es ist jetzt ja die neue Entscheidung getroffen worden, dass die Aufklärungseinheit PEGASUS in dem Verkehrsflugzeug Global 6000 verbaut werden soll. Auch diese Flugzeuge müssen irgendwo stationiert werden und dazu bietet sich Hohn geradezu an."

Ob die Luftwaffe die Global 6000-Maschinen mit dem bereits entwickelten Aufklärungssystem tatsächlich dort stationieren wird, ist jedoch noch nicht entschieden. Offen ist zudem, wie viele Soldaten der Luftwaffe am Ort bleiben werden, um Hohn als Ausweichflugplatz zu betreiben. Im Hintergrund laufen gegenwärtig zudem Gespräche über eine andere Nutzung des Areals, das aus Sicht des CDU-Bundestagsabgeordneten Johann Wadephul einzigartig ist. Es gebe nur wenig Flugplätze, die so hervorragende Bedingungen böten, sagt Wadephul. "Der Luftraum über Hohn ist auch in Zeiten, wo viel ziviler Luftverkehr ist, praktisch frei. Dazu kommt die Nordsee, die Ostsee. Das heißt große Lufträume, wo man sehr viel Übungen fliegen kann."

Drohnen-Technologiezentrum als Perspektive

So sieht es auch Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz. Für den FDP-Politiker hat Hohn ein großes Potenzial. Aus seiner Sicht ist das Flugfeld mehr als ein Ausweichflughafen. Vor allem die Entwicklung von Drohnen, auch für den zivilen Bereich, sei wichtig, so der Minister: "Ein Technologiezentrum in der Nähe könnte dafür sorgen, dass man sich mit dieser Technologie auch bei uns im Norden über einem relativ dünn besiedelten Gebiet wunderbar damit beschäftigen könnte. Insoweit wünsche ich mir eine luftfahrttechnische Nutzung des Standortes Hohn und sehe dazu beste Möglichkeiten."

Bereits Gespräche mit Forschungseinrichtungen

Flugplatz Hohn © Bundeswehr Foto: Jane Schmidt
Möglicherweise werden sich in Hohn Unternehmen niederlassen, die einen Bezug zur Luftfahrt haben.

Daher hat das Land Schleswig-Holstein mit vielen Akteuren aus der Branche gesprochen. Dazu gehören Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Denn aus Sicht von Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz werden Drohnen in Zukunft immer wichtiger. Sie würden künftig möglicherweise für bestimmte Vertriebsformen eingesetzt werden. Für die Versorgung "von Inseln und Halligen müssen ja nicht immer bemannte Flugkörper unterwegs sein“. Das könnten auch Drohnen übernehmen.“ Je besser diese Technik ausgereift ist, desto stärker sie erprobt ist, umso besser. Und das kann in unserem Land stattfinden."

Zivile Flugzieldarstellung bereits in Hohn

Ein Unternehmen hat sich am Hohner Flugplatz bereits vor Jahren niedergelassen: Die GFD GmbH -  eine Tochter des Airbus-Konzerns. Die Gesellschaft für Flugzieldarstellung betreibt eine Flotte von 14 zweistrahligen Geschäftsflugzeugen auf dem Gelände. Das Unternehmen arbeitet vor allem für die Bundeswehr und führt für alle Teilstreitkräfte der Bundeswehr verschiedene Trainings durch – vor allem im Bereich der Flugzieldarstellung. Auf diese Weise unterstützen beispielsweise Lear-Jets der Firma die Ausbildung von Eurofighter-Piloten. Darüber hinaus arbeitet die GFD auch für verschiedene Forschungseinrichtungen wie dem Deutschen Wetterdienst oder Universitäten. GFD-Geschäftsführer Stefan Müller kann sich gut vorstellen, dass der Flugplatz Hohn ein Standort für die Entwicklung von Drohnen wird.

Drohnen-Cluster noch Zukunftsmusik?

Allerdings müsse dafür einiges passieren – vor allem müsse weitere Industrie angesiedelt werden. Sowohl Wirtschaft als auch Politik haben also Interesse daran, dass in Hohn in einigen Jahren an Drohnen geforscht und diese anschließend dort auch entwickelt und getestet werden. Ein Luftfahrt-Cluster für Schleswig-Holstein ist für Stefan Müller, Geschäftsführer der GFD, zwar noch Zukunftsmusik. Deren Melodie könne er aus der Ferne allerdings schon hören. Für alle Beteiligten sei es eine Win-Win-Situation. Die Landesregierung hat in ihren industriepolitischen Zielen tatsächlich die Förderung von unbemannten Luftfahrzeugen, deren Entwicklung und vielleicht auch Instandhaltung und deren Betrieb in Schleswig-Holstein definiert. Wir sind natürlich alle als Schleswig-Holsteiner daran interessiert, dass wir auch qualifizierte Arbeitsplätze in der Region halten." Nach Ansicht des GFD-Geschäftsführers wird es allerdings noch einige Jahre dauern, bis Drohnen von Hohn aus abheben und über Nord- und Ostsee getestet werden können.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Streitkräfte und Strategien | 30.05.2020 | 19:20 Uhr