Stand: 12.10.2019 00:00 Uhr

Wilco - eine Band mit einer Vision

Ode To Joy
von Wilco
Vorgestellt von Ralf Dorschel, NDR Info Nachtclub & Nightlounge
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Das Album "Ode To Joy" von Wilco ist beim Label dbPM Records/Warner erschienen.

Wilco sind zurück! Nein, das ist jetzt keine Plattitüde über das Ende von gerade mal drei Jahren Funkstille bei einer der klügsten Indie-Rockbands unserer Tage. Dies ist mehr: Nämlich die Feststellung, dass Jeff Tweedy und seine treuen Begleiter mit dem neuen Album "Ode To Joy" wieder eine Band mit einer Vision sind.

Denn die vergangenen Alben waren Schnellschüsse, spontan und halbfertig. "Star Wars" machte wenigstens noch Spaß, doch "Schmilco" war das Album, das man sich als angesagte Band gönnt, wenn sonst gar nichts mehr geht: nach innen gekehrt, verschlossen - eine Selbstverständigung am Rande des kreativen Notstands. "Schmilco" war das Klagelied des lustlosen Jeff Tweedy. Ein Wilco-Album war es nicht.

Songs mit musikalischem Störfeuer

Diese "Ode To Joy" ist da ganz anders: Das musikalische Störfeuer ist zurück in Stücken wie dem sechsminütigem "Quiet Amplifier". Die Country-Balladen sind zurück - schon das einleitende "Bright Leaves" schleicht sich sehr langsam, aber beständig ins Ohr.

Nels Clines schwirrenden Gitarren in "Love is Everywhere (Beware)" sind ebenso mitreißend wie unwiderstehlich, das dunkle "We Were Lucky" könnte aus der Garage gleich neben Crazy Horse stammen. Und dass das kurze, gelassene, fast schon heitere "Everyone Hides" als neue Single ausgekoppelt wurde, ist sicher auch keine schlechte Idee.

"Man sollte Emotionen zulassen"

"Ode To Joy" ist eine Meditation über die vertrauten Tweedy-Themen - über den Verdruss an der Liebe, über das Leid an der Lust, auch über - und das ist neu - die Freude. Und über die Zeitläufe: "Wir versuchen, ein Gefühl von Verlust in Zeiten verwirrender Politik zu vermitteln", so Tweedy: "Es passieren Dinge, die uns an unserer Wahrnehmung der Realität zweifeln lassen. Da fühlen sich die kleinen zwischenmenschlichen Emotionen oft unwichtig an. Aber dieses Opfer darf man nicht bringen, man sollte Emotionen zulassen."

Große Songs über kleine Dinge

Im Video zu "Everyone Hides" spielen Wilco Verstecken: Jeff Tweedy zählt runter von 900 bis Null, seine Mitstreiter suchen derweil den Weg an ihre liebsten Rückzugsorte: ins Arthouse-Kino, zum Szene-Friseur, in die nerdigen Plattenladen.

Es sind die kleinen Dinge, über die Tweedy große Songs singt - die seine Begleiter gebührend in Szene setzen, vor allem Cline und Drummer Glenn Kotche hinterlassen tiefe Spuren. Im Interview mit "Spin" wurde Tweedy befragt zu den Jahren des Durchhängens - ob er nicht Angst gehabt habe, die Fans zu verlieren? "Da waren Momente, in denen ich wollte, dass sie verschwinden", so die Antwort. "Ode To Joy" ist also die Rückkehr von Wilco. Und damit aller Grund zur Freude.

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Ode To Joy

Genre:
Independent
Label:
dbPM Records/Warner
Veröffentlichungsdatum:
4. Oktober 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 07.10.2019 | 23:05 Uhr