Stand: 06.09.2019 22:00 Uhr

Devendra Banhart mit Mütter-Genesungswerk

Ma
von Devendra Banhart
Vorgestellt von Henning Cordes, NDR Info Nachtclub
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Auf dem Album "Ma" geht es - wie es der Titel schon erahnen lässt - auch um die Mutterliebe.

"Der Zug, der vorbeifährt, während du einen Song aufnimmst, ist ein Geschenk." So hat Devendra Banhart seinen künstlerischen Ansatz mal bei Danmarks Radio beschrieben. Es geht um den Moment. Was zur Zeit der Aufnahme passiert, gehört zum Song dazu. Nicht nur der Zug vorm Fenster oder andere hörbare Töne: Auch die Energie einer Situation findet Platz in seiner Momentaufnahme. Banhart gibt sich als spiritueller Mensch. Ein Hauch Eso-Kitsch gehört bei ihm dazu.

Im Kern der alte Hippie

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Die langen Haare sind Devendra Banhart inzwischen "abgefallen".

Auch wenn er sich längst von seinen langen Haaren getrennt hat ("Sie sind einfach abgefallen.") und seinen wallenden Bart getrimmt hat: In Banhart steckt auch im Jahr 2019 noch im Kern der alte Hippie. Auf dem neuen Album "Ma" gibt es nicht mehr so viel Experiment, wie auf dem Vorgänger "Ape in Pink Marble" von 2016. Banhart setzt auf zarte Songs mit teils emotionalem Storytelling: unaufdringlich und autobiographisch. Bloß nicht zu viel, aber immer mit Liebe, Liebe, Liebe. "Ma" meint Mutter. Banhart hat es auf die Mutterliebe abgesehen.

Mit dem Namen einer indischen Gottheit

Wieder mit dabei: Seine Muttersprache, das Spanische. Aufgewachsen ist Devendra Banhart in Caracas in Venezuela. Später zieht er in die USA, wird dort einer der Posterboys des psychedelisch durchzogenen Freak-Folk und des New Weird America. Im Fall von Banhart ist Letzteres folglich als Einheit des Nordens und des Südens zu sehen. In drei der neuen Songs singt Banhart Spanisch, in einem Portugiesisch, im Rest Englisch. Dieser Mann ist Amerika - mindestens -, denn wahrscheinlich ist er sogar noch mehr als das. Sein erster Vorname - Devendra - soll ein Synonym für die vedische Gottheit Indra sein. Sein zweiter Vorname: Obi. Klingt nach Baumarkt, hat aber ernsthaft Obi-Wan Kenobi aus den Star-Wars-Filmen als Vorbild - also zweifelsfrei ein religiöser Doppelname.

"Ma" von Devendra Banhart

Folgende Titel aus dem Album der Woche werden in dieser Woche im Nachtclub Magazin (23.05 Uhr, NDR Info) gespielt:
Montag: "Kantori Ongaku"
Dienstag: "Abre Las Manos"
Mittwoch: "Will I See You Tonight"
Donnerstag: "Now All Gone"
Freitag: "Memorial"
(Änderungen vorbehalten)

Funktioniert auch ohne spiritistische Sitzungen

So abgespacet Devendra Banhart manchmal daherkommt, auf "Ma" gibt er sich musikalisch weitestgehend gezähmt. Manchmal singt er ernst und traurig, macht im Song "Memorial" auf Leonard Cohen, bei "Kantori Ongaku" täuscht er japanisch an, landet aber bei seiner Idee von "Countrymusik", die nach allem klingt, nur nicht nach Countrymusik. Das Video dazu startet mit pissendem Pony (siehe unten). Banhart sendet eben oft auf spezieller Welle, ihm ist oft nicht leicht zu folgen. Möglicherweise muss man sich tatsächlich erst von seiner Musik aufsaugen lassen, damit sich aus all den unhörbaren Tönen ein stimmiges Ganzes ergibt. Ist aber alles kein Muss. "Ma" funktioniert auch ohne spiritistische Sitzungen und psychoaktive Drogen hervorragend. Es muss sich ja nicht immer alles erschließen.

Auf YouTube können Sie das Video zum Song "Kantori Ongaku" sehen.

Tour-Daten 2020:

24.01.2020 Berlin, Tempodrom

26.01.2020 Leipzig, Felsenkeller

29.01.2020 Köln, Carlswerk

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Ma

Label:
Nonesuch Records
Veröffentlichungsdatum:
13. September 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 09.09.2019 | 23:05 Uhr