Stand: 19.10.2019 00:00 Uhr

Mister Me - Vom Jungrapper zum reifen Songtexter

Das Ende vom Hass
von Mister Me
Vorgestellt von Ralf Dorschel, NDR Info Nachtclub & Nightlounge
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Das Album "Das Ende vom Hass" von Mister Me ist beim Label Motormusic/BMG erschienen.

"Ach, nee, bloß nicht noch so einen Deutsch-Rapper", grübelt die Kollegin im Gespräch über mögliche Nachtclub-Alben der Woche. Verständliche Reaktion, im Falle von Mister Me aber durchaus nicht angebracht. Weil der Wahl-Berliner auf seinem zweiten Album kaum noch rappt. Weil er klangtechnisch erstaunlich vielfältig daher kommt. Und weil er in teils brillanten Texten ganz bewusst nach den Zwischentönen sucht. "Das Ende vom Hass" - für Mister Me führt dieser Weg über die Überwindung von Klischees und erlernten Rollen.

Erstaunlich reife Texte

Hinter dem Pseudonym steckt der aus Niedersachsen stammende Mischa Meißner. Erste Gehversuche unternahm er als Rapper, das erste Album "Zeit bleibt Zeit" wurde durchaus gelobt, doch der Bruch kam später: Mister Me griff zur Gitarre und zum Klavier, er schrieb Songs, in denen er sang, nur noch selten sprach - und aus dem Jung-Rapper wurde ein erstaunlich reifer Songwriter, der sich vom Produzenten Torsten Siebert (Enno Bunger, Klez.e, Kettcar) einen aufwendigen Studio-Sound inszenieren ließ.

Ein Aufruf zur ständigen Reflexion

Ein edler Rahmen also für Songs wie "Pink und Blau" über Geschlechter-Rollen, "Vision" über die schmerzhafte Abwicklung einer Beziehung oder "Null" über Lebensentwürfe und die Frage nach dem wirklich wichtigen Dingen.

"Die Songs behandeln jegliche Art von Konflikten, die wir alle mit uns rumschleppen. Ich glaube, es würde uns allen gut tun, wenn jeder immer wieder reflektiert: 'Tue ich das, was ich gerade tue, aus Gewohnheit oder aus Überzeugung?'", sagt Meißner selbst über sein Album.

Politisches Album frei von Parolen

"Das Ende vom Hass" - es fängt aus Sicht des jungen Songwriters bei jedem Einzelnen an: "Ich glaube, dass die Ursache von vielen gesellschaftlichen Problemen wie Sexismus, Rassismus oder anderen Ungerechtigkeiten aus den Mustern kommen, die uns anerzogen wurden und die viele - ohne sie zu hinterfragen - reproduzieren. Wenn Leute wie Viktor Orban, Sebastian Kurz oder AfD-Politiker fähig wären, sich selbst in einem größeren Kontext zu sehen, dann würden sie nicht so eine Scheißpolitik betreiben."

Ein politisches Album frei von Parolen, ein persönliches Songwriter-Album mit durchaus schmerzhaften Momenten und ein Pop-Album voller subtiler Ohrwürmer - keine schlechte Bilanz für Mister Me. Ziemlich frei von Deutsch-Rap.

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Das Ende vom Hass

Label:
Motormusic/BMG
Veröffentlichungsdatum:
11. Oktober 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 14.10.2019 | 23:05 Uhr