Stand: 11.11.2019 16:30 Uhr

Album der Woche: "Athena" von Sudan Archives

Athena
von Sudan Archives
Vorgestellt von Ruben Jonas Schnell, NDR Info Nachtclub & Nightlounge
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Das Album "Athena" von Sudan Archives ist als CD und LP erschienen.

Bildungsbürgertum, Elfenbeinturm, höhere Töchter: Geigenschüler sind eine Klasse für sich, übertreffen dabei sogar noch den sprichwörtlichen Klavierschüler. Doch für die jugendliche Brittney Denise Parks war die Geige ganz etwas Anderes: Ein Instrument des Protestes, des Widerstands, des nicht Dazu-Gehörens. In der Kirchengemeinde ihrer strenggläubigen Mutter in Cincinnati lernte sie das Geigenspiel – nach Gehör, nicht nach Noten. Im Schulorchester fiel sie aus der Reihe ("die hielten mich für bescheuert, für unbezähmbar"), in der engen Welt ihres Zuhauses schlug sie über die Stränge. Und setzte sich schließlich nach Los Angeles ab.

Tradition und Experimentierfreude

Wo aus Brittney Denise Parks Sudan Archives wurde. Wo die junge Frau sich ganz neu erfand – und wo sie auf die Suche ging: "Am Ende des Tages schlummert in uns allen etwas Uraltes. Obwohl ich aus den USA komme, wusste ich, dass ich mehr bin als nur Amerikanerin." Was traditionelle Musiker im Sudan mit der Geige machen, hat sie fasziniert. Was experimentierfreudige Musiker in Los Angeles mit Elektronik machen, hat sie auch fasziniert. Sudan Archives schlug die Brücke zwischen Gospel und R'n'B, die sie aus ihrem Elternhaus mitbrachte, zwischen afrikanischer Folklore und einer Avantgarde, deren fast grenzenlose Freiheiten sie nicht mehr losließ. Und auch visuell war hier alles anders: Die konsequente Inszenierung einer Erykah Badu faszinierte sie - Sudan Archives wusste, das sie mehr sein wollte als nur eine Musikerin: eine Stil-Ikone. "Ich ziehe mich immer königlich an. Wenn Du dann rausgehst, weißt Du, dass Du eine Königin bist und respektiert werden muss. 

Verletzlich und elegant

Es ist eine Geschichte des konsequenten Abnabelns: Parks studierte Musiktechnologie, veröffentlichte zwei EPs und hatte einen Song, der einschlug: "Come Meh Way" brachte Sudan Archives auf viele Besten-Listen, verschaffte ihr Engagements auf den wirklich interessanten Festivals – vom deutschen Überjazz und Melt bis zum risikofreudigen US-amerikanischen Moogfest. Lange hat sie anschließend an den Songs für ihr Debüt "Athena" gearbeitet, dabei auch Gastmusiker und Produzenten wie Rodaidh McDonald (The XX, Adele, Daughter, Hot Chip) und den Hip-Hop-Tüftler Paul White (Jamie Woon, Danny Brown) hinzugeholt.

Die Songs auf "Athena" sind verletzlich und direkt, sind elegant und tanzbar und – im Vergleich zu ihren durchaus herausfordernden Live-Shows nur in Maßen experimentell. "Wo ich herkomme, war immer das einzige schwarze Mädchen, das Geige spielte. Bis ich in Afrika etwas ganz Anderes erlebte. Und ich wusste: Das kann ich auch." Sudan Archives ist keine brave höhere Tochter, sondern ein radikales künstlerisches Statement – visuell und musikalisch.

Konzerttermine: 12.11.  Berlin - Säalchen, 13.11.  Köln - CBE , 14.11.  München - Rote Sonne

 

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Athena

Label:
PIAS
Veröffentlichungsdatum:
01.11.2019
Preis:
11,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 11.11.2019 | 23:05 Uhr