Stand: 16.01.2020 16:28 Uhr

Album der Woche: "Amazones Power"

von Ralf Dorschel, NDR Info Nachtclub & Nightlounge
Cover der CD "Amazones Power" © PIAS / REAL WORLD
Nach drei Jahren erscheint das zweite Album der politischen Künstlerinnengruppe Les Amazones d'Afrique.

Das Land mit den meisten Frauen im Parlament? Schweden? Kanada? Ganz falsch: Ruanda! Über 60 Prozent sind es dort. Immer neue Frauen-Quoten, immer mehr Frauen in Führungspositionen – Afrika ist kein Klischee, sondern ein dynamischer Kontinent. Auf dem aber dennoch weiterhin der Großteil der weiblichen Bewohner ganz unten sind: Ärmer als ihre Männer, kranker, unterdrückter – und mitunter völlig rechtlos. Zwölf Popstars Afrikas kamen vor sechs Jahren zusammen - und zogen mit viel Lust und viel Wut in eine Schlacht: gegen die Macho-Kultur, gegen sexuelle Gewalt, Genitalverstümmelung, religiösen Aberglauben und totale Ignoranz. Amazonen halt, die nicht mehr still sein wollen. Die Amazonen Afrikas, "Les Amazones d'Afrique", hatten eine hochpolitische Botschaft - und sie hatten Promis in ihren Reihen: Angelique Kidjo war dabei, Oumou Sangaré und auch Mariam Doumbia vom Duo Amadou & Mariam.

Liam Farrell gibt dem Album einen stilistischen Faden

Was sie nur ganz am Rande hatten, war ein künstlerischer Stil. Beim Debüt der Amazonen ging es erstmal um die Message – musikalisch wurde dann mit recht loser Hand zusammengewürfelt, was die Sängerinnen so mit ins Studio brachten. Jetzt sind "Les Amazones d'Afrique" zurück mit einem zweiten Album, wieder auf Peter Gabriels Label Real World. Mit dabei sind zahlreiche neue und junge Stimmen. Und diesmal haben sie auch musikalisch zusammengefunden. Der Sound stammt von Congotronix-Mastermind Liam Farrell - der Ire saß schon beim Debüt an den Reglern, durfte sich aber diesmal erst kräftiger einmischen. Weshalb "Amazones Power" moderner und vor allem einheitlicher klingt als das Debüt. Eine perfekte Spielwiese für mächtige Stimmen wie die der legendären Mamani Keita aus Mali, von Fafa Ruffino aus Benin, Niariu aus Guinea, Kandy Guira von der Elfenbeinküste und Nacera Ouali Mesbah aus Algerien. Ihr gemeinsames Ziel? "Musik als ultimative Waffe im Kampf für Frauenrechte", so Ruffino. Und sagt über das Projekt: "Ich bin geradezu gerannt, um mich anzuschließen." Und Niariu schwärmt: "Es ist ein internationales Projekt – die Menschen, die daran gearbeitet haben, die verwendeten Sprachen und die Klänge, die wir nutzen bis hin zur Nachricht, die wir verbreiten." 

Ein Album mit großer Botschaft

Die "Amazones d'Afrique" sind keine Band, sind nur ein loser Verbund großer Künstlerinnen quer über diesen so dynamischen und widersprüchlichen Kontinent. Aber ein Verbund mit globaler Botschaft: "Wir können Feminismus nicht an Gender Equality in westlichen Ländern festmachen, wenn es noch zahlreiche Frauen gibt, die keinerlei Zugang zu ihren Grundrechten haben. Wenn wir nicht alle in Freiheit leben, werden einige Menschen zu Unterdrückern, während andere unterdrückt bleiben.", so warnt Niariu. Und allesamt erklären sie: "Die ganze Welt soll uns zuhören. Wir haben es satt, Frauen unter Gewalt leiden zu sehen. In den Familien, in den Kriegsgebieten – wir wollen, dass diese Praktiken aufhören. Wir haben uns zusammengetan, um Frauen weiterzuhelfen."

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Amazones Power

Label:
Real World
Veröffentlichungsdatum:
24.1.2020
Preis:
14,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 20.01.2020 | 23:05 Uhr