Stand: 30.03.2012 10:00 Uhr

"Die Rebellion der Maddie Freeman": Kacvinskys Jugendroman:

von Katharina Mahrenholtz

Viele Jugendliche können sich ein Leben ohne Facebook nicht mehr vorstellen. Katie Kacvinskys Jugendroman "Die Rebellion der Maddie Freeman" geht noch ein kleines Stück weiter. In ihrer Welt läuft alles digital.

Eine amerikanische Stadt, gar nicht so weit in der Zukunft: Die 17-jährige Maddie verlässt praktisch nie das Haus. Das Leben findet nur noch digital statt. Freunde treffen, Unterricht, Hobbys, das ganze soziale Leben. Es gibt Flipscreens statt Papier, Bücher braucht man sowieso nicht mehr und Bäume sucht man auch vergeblich.

"In manchen Ecken der Welt stehen noch welche, aber ich habe noch nie einen gesehen. Die meisten Großstädter haben sich stattdessen für Kunstpflanzen entschieden. Kunstbäume sterben nicht, sie bekommen im Herbst auch nicht dieses kränkliche Aussehen. Sie verursachen keinen Heuschnupfen. Sie sind immer perfekt grün (forevergreen.com hat die beste Qualität, sagt meine Mutter)." Buch-Zitat

Zukunft? Oder sind wir schon soweit?

Zuerst klingt alles nach unrealistischer Dystopie. Aber wer weiterliest, merkt, dass vieles in diesem Buch erschreckend nahe an unserer Wirklichkeit ist. Schon jetzt sitzen Jugendliche täglich mehrere Stunden vor dem Computer, schon jetzt ist ein Leben ohne Smartphone kaum noch vorstellbar. Es scheint nur ein kleiner Schritt bis in die Welt von Maddie Freeman, die sich heimlich aus dem Haus schleichen muss, um am Offline-Leben teilzunehmen. Als sie von einem Treffen mit einer echten Lerngruppe zurückkommt, gibt es prompt Ärger mit Daddy

"Mein Vater schaute vom Computer auf, als ich hereinkam, und befahl mir mit einer Handbewegung, mich zu setzen. Also ließ ich mich in den braunen Ledersitz vor seinem Schreibtisch fallen und wartete auf den Beginn des Verhörs. 'Wie war die Lerngruppe?', fragte er. Ich spulte automatisch eine Antwort herunter, die ihn zufriedenstellen würde. 'Du kannst Deiner Mutter dafür danken, dass du heute Abend überhaupt aus dem Haus durftest. Sie war es nämlich, die mich überredet hat.'" Buch-Zitat

Schule findet nur noch digital statt

Maddies Vater ist eine treibende Kraft im System. Er hat durchgesetzt, dass die realen Schulen abgeschafft werden. Stattdessen gibt es für alle nur die Digital School. Unterricht zu Hause mit und am Computer. Wer protestiert, kommt ins Erziehungslager. Die meisten finden sich damit ab. Nicht so Justin, den Maddie in ihrer Offline-Lerngruppe trifft. Er kämpft mit seinen Freunden gegen das System und öffnet auch Maddie die Augen. Ihr wird klar, dass sie nur noch virtuell lebt:  

"Ich habe mehr Onlinebekanntschaften, als ich zählen kann. Jeden Tag stehe ich mit gut hundert Leuten in Verbindung. Wenn ich will, kann ich Millionen Menschen kontaktieren. Ich habe lange gedacht, dass ich eine Unmenge Freunde habe. Lange habe ich gedacht, dass würde mir genügen." Buch-Zitat

Auch eine kitschige Liebesgeschichte fehlt nicht

Maddie schließt sich Justins Gruppe an, und das Buch gewinnt an Fahrt. Die Rebellen erleben eine Menge haarsträubende Abenteuer, das liest sich spannend - und dazu kommt - na klar - noch eine leicht kitschige Liebesgeschichte. Fesselnd ist dieser Roman aber vor allem, weil man immer wieder denkt: Ja, so könnten sich die Dinge tatsächlich entwickeln. Ganz im Ernst.

Am Ende ist eine Schlacht gegen das System geschlagen, aber es ist nicht die letzte.

(Dieser roman wird auch in Folge 24 von eat.READ.sleep besprochen)

Die Rebellion der Maddie Freeman

von Katie  Kacvinsky
Zusatzinfo:
aus dem Englischen von Ulrike Raimer-Nolte
Verlag:
Boje Verlag
Bestellnummer:
978-3414823007
Preis:
15,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Buchtipp | 31.03.2012 | 07:56 Uhr