Stand: 27.10.2011 11:04 Uhr  | Archiv

... Anne Frank?

von Nicole Ahles

Anne Frank war eigentlich ein ganz normales Mädchen. Aber sie ist zu einem Symbol geworden für alle jüdischen Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland gefangen genommen und getötet wurden. Denn Anne Frank war Jüdin und hat in einem Tagebuch aufgeschrieben, wie sich ihre Familie über zwei Jahre lang in einer geheimen Wohnung vor den Nazis versteckt hielt. Dieses Buch wurde nach dem Krieg sehr berühmt.

Anne Frank wird vor über 80 Jahren in Frankfurt am Main geboren. Kurze Zeit später übernimmt Adolf Hitler die Macht in Deutschland. Er ist ein Diktator, der über alle Menschen in Deutschland bestimmen will. Manche Menschen - wie Ausländer, Kranke und auch Juden, so wie die Familie von Anne Frank, will er in seinem Land nicht haben.

Als Anne fünf Jahre alt ist, wandert die Familie nach Amsterdam in die Niederlande aus, denn in Deutschland ist es für Juden zu gefährlich geworden. In der Schule lernt Anne ihre Freundin Hannah Goslar kennen, die sich an ihre erste Begegnung noch erinnert:

"Da sah ich ein kleines Mädchen mit dem Rücken. Hatte so einen Stab und hat Musik gemacht auf Glöckchen und wie sie fertig war, dreht sie sich um rennt in meine Arme und seitdem waren wir befreundet."

Anne hat in der Schule besonders viel Spaß daran Geschichten zu schreiben, aber was sie schreibt, zeigt sie nicht mal ihrer Freundin Hannah. Aber sonst teilen die beiden Mädchen in den kommenden Jahren alle Geheimnisse. Anne ist klug und lustig und manchmal auch etwas vorlaut.

Annes Tagebücher sind heute weltberühmt

Mit 13 Jahren bekommt Anne zu ihrem Geburtstag ein Tagebuch geschenkt. Rot-weiß kariert ist es mit einem Umschlag aus Stoff. Von diesem Tag an schreibt sie alles, was sie bewegt hier hinein - in Form eines Briefes an ihre Freundin Kitty, die es nur in Annes Phantasie gibt.

Nur drei Wochen später ist das beschauliche Leben für Anne vorbei. Die Nationalsozialisten sind in den Niederlanden einmarschiert und wollen auch hier alle Juden verhaften. Aber Annes Vater hat vorgesorgt: Es gibt eine kleine Wohnung im Hinterhaus seiner Firma, in die die Familie mit anderen Verfolgten einzieht. Die Wohnungstür wird hinter einem Bücherregal versteckt.

Es fällt Anne schwer den ganzen Tag über leise zu sein, und auf die anderen Bewohner Rücksicht zu nehmen. Es ist eng und stickig in der kleinen Wohnung, in der schließlich acht Menschen leben. Trotzdem bleibt sie hoffnungsfroh.

Anne verbringt ihre Tage damit viele Bücher zu lesen und in ihrem Tagebuch zu schreiben. Deshalb wissen wir heute, wie sich viele verfolgten Juden damals gefühlt haben.

Nach zwei Jahren wird das Versteck der Familie Frank verraten. Wer das getan hat, weiß man bis heute nicht so genau.

Am 4. August 1944 werden Anne, ihre Eltern, ihre Schwester und die vier anderen Bewohner des Hinterhauses abgeführt und in ein Arbeitslager gebracht. Anne, ihre Schwester, Margot, und ihre Mutter, Edith, werden im Arbeitslager krank und sterben nur wenige Wochen bevor der Krieg zu Ende ist. Ihr Vater, Otto, überlebt.

Heute wird überall auf der Welt an Anne gedacht - es gibt Schulen, Plätze und Häuser mit ihrem Namen und auch Filme über ihr Leben. Auf Gedenkveranstaltungen wird auch immer wieder aus ihrem Tagebuch vorgelesen, damit ihre Erlebnisse nie vergessen werden.

Das Tagebuch der Anne Frank ist mittlerweile in über 50 Sprachen übersetzt worden und wird in der ganzen Welt gelesen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Mikado | 30.10.2011 | 08:05 Uhr