Stand: 23.09.2019 16:55 Uhr

Die Zeit der CO2-Rechner hat begonnen

Fliegen gilt als besonders klimaschädlich. So betrachteten es viele als Hohn, dass jetzt Kanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (beide CD) fast gleichzeitig in zwei verschiedenen Maschinen in die USA flogen. Insgesamt sind es sogar fünf Politiker des deutschen Kabinetts, die in diesen Tagen zu Terminen in den USA fliegen - und das in vier getrennten Maschinen. Ist die Kritik daran verständlich?

Ein Kommentar von Dirk Rodenkirch, Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio

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Zwei Flugzeuge können nötig und sinnvoll sein, auch wen's jeweils in die USA geht, meint Dirk Rodenkirch.

CO2 ist die neue Währung. Das klimaschädliche Gas bekommt in Deutschland einen Preis. Wer zu viel davon verbraucht, gefährdet unsere Zukunft, wer spart, gehört zu den Guten. So ungefähr sieht es aus, das neue Leitbild, das im frisch geschnürten Klimapaket der Bundesregierung steckt.

Das bedeutet auch: Die Zeit der CO2-Rechner und -Kontrolleure hat begonnen. Nun wird streng geschaut, wer wo wie viel Kohlendioxid ausstößt. Wer SUV fährt oder viel fliegt, landet ruckzuck am Klima-Pranger. 

Das mutmaßliche Vergehen

Diese CO2-Zähler und Zusammenrechner haben gerade einen großen Einsatz. Denn ausgerechnet die Bundesregierung samt Klimakanzlerin macht sich verdächtig, Kohlendioxid tonnenweise zu verschleudern.

Das mutmaßliche Vergehen: Die Regierung benutzt zwei Flugzeuge für zwei Dienstreisen. Berlin - New York und Berlin - Washington. Klingt auf den ersten Blick nach Mitfluggelegenheit, was wohl ursprünglich auch geplant war. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer mit Ziel Washington sollte in den Regierungsflieger von Kanzlerin Merkel nach New York zusteigen.

Mitfluggelegenheit für Jens Spahn

Aber Regierungsreisen sind keine Kaffeefahrten. Zeit ist knapp, Termine sind einerseits eng getaktet, anderseits laufen Gipfeltreffen auch mal zeitlich aus dem Ruder. Das bedeutet: Zwei Flugzeuge können nötig und sinnvoll sein, auch wenn's jeweils in die USA geht. Und was Mitfluggelegenheiten angeht: Gesundheitsminister Jens Spahn sitzt auf der Rückreise aus New York mit im Kanzlerinnenflieger, war aber beim Hinflug nicht dabei.

So, und nun können die CO2-Kontrolleure überlegen, ob Jens Spahn damit ein New-York-Flug gutgeschrieben werden muss oder nicht in seiner CO2-Bilanz.
Diese Berechnung braucht zwar kein Mensch, aber Stimmung lässt sich damit prima machen.

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NDR Info | Kommentar | 23.09.2019 | 17:08 Uhr