Stand: 16.07.2020 18:57 Uhr

Kommentar: Lokales Beschränkungskonzept ist richtig!

Bei Ausbrüchen des Coronavirus sollen Behörden künftig örtlich begrenzte Reisebeschränkungen verhängen können. Darauf haben sich Bund und Länder bei ihren Beratungen geeinigt. Die Einschränkungen sollen demnach möglichst zielgerichtet sein und müssen sich nicht auf einen gesamten Landkreis oder eine gesamte Stadt beziehen. Kommt es in einer bestimmten Region zu einem Anstieg der Infektionszahlen, sollen Bund und Länder mehr Hilfe leisten. Hier geht es unter anderem um Testkapazitäten und Unterstützung bei der Kontaktverfolgung. Ziel ist es, den Zeitraum der Einschränkungen möglichst kurz zu halten.

Ein Kommentar von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Sabine Henkel © ARD-Hauptstadtstudio Foto: Reiner Freese
Sabine Henkel meint, dass eine vorübergehende Ausreisesperre ein probates Mittel im Kampf gegen die Virus-Ausbreitung ist.

Wenn Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU) einer Meinung sind, dann sollte man unbedingt ganz genau hingucken. Der Corona-Hardliner aus Bayern und der Lockerungs-Fanatiker aus Nordrhein-Westfalen halten lokale Ausgangssperren für richtig. Wenn sich also irgendwo ein zweites Gütersloh auftut, soll dicht gemacht werden, damit daraus kein virales Waterloo wird.

Bund und Länder handeln verantwortungsbewusst

Was kann daran denn auch falsch sein? Nichts! Das Virus muss aufgehalten werden, schließlich wartet es nur auf die nächste Chance sich zu vermehren. Und die soll es natürlich nicht bekommen. Denn die Strategie der Herden-Immunität und der Ignoranz ist ja offenkundig fehlgeschlagen. Frag' nach bei Trump und Bolsonaro.

Auch Schweden hat vorgemacht, wie man mit Corona nicht umgeht. Viele Menschen mussten sterben, weil Regierungsverantwortliche in ihren Ländern unverantwortlich handelten. Daher ist es richtig, dass sich Kanzleramt und Landesregierungen der Republik hier und heute vorbereiten.

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Überschaubarer Eingriff in die Freiheitsrechte

Es geht darum, die Infektionszahlen so niedrig zu halten wie sie jetzt sind. Der Plan ist der: Steigen irgendwo die Infektionszahlen und das Virus ist außer Kontrolle, sind außerdem Kontaktketten nicht nachvollziehbar, dann wird der Ort des Ursprungsgeschehens dicht gemacht. Keiner rein und keiner raus aus dem tatsächlich betroffenen Bereich - mehr nicht, kein ganzer Landkreis, kein kompletter Kreis, keine Stadt, nur ein lokaler Bereich!

Ja, das ist trotzdem ein Eingriff in die Freiheitsrechte. Aber für wen soll es denn zu viel verlangt sein, zwei, drei Tage zu Hause zu bleiben, wenn dadurch andere geschützt werden? Länger soll es nämlich gar nicht dauern. Schnell testen und bei Nicht-Infektion fällt sie schon, die sogenannte Ausreisesperre.

Urlaubs-Virus ist das eigentliche Aufreger-Thema

Ausreisesperre - was für ein Wort! Es ist viel zu groß, um zu beschreiben, was da im Fall der Fälle passiert. Es wird nämlich sehr genau geprüft, ob dieses lokale Beschränkungskonzept überhaupt greifen muss. Es ist das letzte Mittel. Aber letztlich ein probates.

Ein fehlendes Mittel hingegen ist das gegen das Urlaubs-Virus. Reiselustige, die ihre Freiheitsrechte so nutzen, als gäbe es kein Morgen. Abstand? Nie gehört. Mund-Nasen-Schutz? Nee, lieber oben ohne. Und dann ab in den Flieger, Corona quasi im Handgepäck. Nur wer aus einem Risikogebiet zurückkommt, muss in Quarantäne. Die Ballermänner hingegen ballern ihre Viren weiter unter die Leute. Das ist wirklich zum Aufregen!

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin/des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

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NDR Info | Kommentar | 16.07.2020 | 18:30 Uhr