Stand: 10.10.2019 17:35 Uhr

Mittendrin in der Moderne

The opposite of what
von Geoff Goodman Quintet 
Vorgestellt von Michael Laages

Einmal mehr ist hier einer zu rühmen, der seit vielen Jahren in der Spur geblieben ist: unbeirrt, auch wenn die nicht zum Weltruhm führte. Um ihn muss (zum Glück) auch kein postumer Kult betrieben werden, der den Plattenumsatz ankurbelt. Geoff Goodman ist gebürtiger New Yorker, hat in Boston und Amherst studiert, ist mittlerweile 63 Jahre alt und ein Amerikaner in Germany. Vor 40 Jahren übersiedelte er nach Deutschland, zunächst nach Freiburg, danach nach München, wo er heute zu Hause ist. Dort hat er ein paar wirklich treue Freunde und Kollegen, etwa den Schlagzeuger Billy Elgart, der mittlerweile 76 ist und einer ist wie Goodman: American in Munich. Regelmäßig nimmt er eigene Musik auf, und mit beträchtlicher Fantasie versammelt Goodman dabei herausragende europäische Talente um sich. "The opposite of what" ist nach vier Jahren Pause der neue Beleg für die große Klasse und Qualität, die in diesen Begegnungen entsteht.

Klug und ausgereift

Dabei erfindet Geoff Goodman nichts wirklich Neues oder gar Spektakuläres. Aber lange war kein Album mehr zu hören, dessen Musik so sicher und standfest geerdet war im Klang der überlebensfähigen Jazz-Moderne. Dabei öffnet sich keine Stil-Schublade, wenn das Quintett mit dem Titelstück loslegt – Goodman schreibt einfach kluge ausgereifte Kompositionen, die nirgends und bei keinem Urahnen andocken müssen, um sich stilistisch zu rechtfertigen. Nur einen alten Meister zitiert Goodman: George Shearing mit dem "Lullaby of Birdland" – aber dann entdeckt er diesen Klassiker wie neu.

Alte Freundschaft, frische Talente

Das Quintett ist so klug und geschickt sortiert wie die Musik geschrieben und arrangiert ist – mit den Solostimmen vom Franzosen Matthieu Bordenave am Saxofon und Rudi Mahall, der aus Nürnberg stammt, an den Klarinetten. Andreas Kurz ist ein meisterlich stabiler Bassist - und im Zusammenklang von Goodman und Elgart klingt alte Freundschaft mit. Dieses von Anfang bis Ende überzeugende Album vom traditionssatten Enja-Label braucht keine modische Marke – es braucht nur kluge Hörerinnen und Hörer. Willkommen!  

The opposite of what

Genre:
Jazz
Label:
Enja
Veröffentlichungsdatum:
18.10.2019
Preis:
17,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Play Jazz! | 14.10.2019 | 22:05 Uhr