Stand: 14.03.2009 02:08 Uhr  | Archiv

Dirty Dozen, Folge 8: John Coltrane "A Love Supreme"

von Marianne Therstappen
John Coltrane: A Love Supreme, Plattencover (Ausschnitt) © impulse records

Es gibt über fast alles, was im Jazz durch die Zeitgeschichte bereits als bedeutsam und "historisch wertvoll" erkannt und belegt worden ist, mindestens ein Buch. In diesem Falle ist es "A Love Supreme", 2002 verfasst von Ashley Kahn, dem Autor von " Kind of Blue - The Making of the Miles Davis Masterpiece." Und dank des weltweiten Netzes gibt es zu Coltranes Thema auch mindestens 230.000 Einträge im Internet.

Aber damit ist nicht die Wirkung der Musik erklärt, die so beginnt, als würde bei dem Gongschlag und dem wirbelnden Schlagzeugspiel von Elvin Jones und der tremolierenden Einleitung auf dem Saxofon von John Coltrane ein gewaltiger Vorhang geöffnet, und ehe man weiß, wie einem geschieht, zupft Jimmy Garrison am Bass schon das Thema, das dem im Dezember 1964 für das Label "impulse!" aufgenommenen Album den Namen gab: "A Love Supreme".

Vier Silben des Lobes

Mit ein paar Akkorden breitet Pianist McCoy Tyner einen magischen Klangteppich aus und John Coltrane singt inbrünstig auf dem Saxofon den ersten Part seines vierteiligen Lobliedes auf Gott und spielt schließlich durch viele Tonarten hindurch die vier Silben, die am Schluss unisono - einem Mantra gleich - von den Musikern gemeinsam angestimmt werden: "A Love Supreme".

Mit dem Bass verebbt der erste Titel "Acknowledgement" und fast nahtlos eröffnet wiederum der Bass den zweiten Teil, betitelt mit: "Resolution". Es swingt heftig und hemmungslos. Im dritten Teil, "Pursuance,"  gibt Schlagzeuger Elvin Jones ausführlich das rasante Tempo vor, das er artistisch den Klavierläufen von McCoy Tyner entgegenhält, bevor John Coltrane auf dem Saxofon sich die Seele aus dem Leib spielt. Wieder ist es Jimmy Garrison am Bass, der in den letzten ruhigen Teil, in den "Psalm" hinüberleitet.

Auf der Suche nach Höherem

In jener Zeit, Anfang der 60er-Jahre, brachten in Europa und später auch in Amerika die Beatles und die Rolling Stones die Jugend aus dem Häuschen. Wer mochte da schon dem - aus heutiger Sicht "klassischen" John Coltrane Quartet mit dieser Musik folgen, die sich auf der spirituellen Suche nach etwas Höherem befand und dabei völlig neue Register im Jazz zog mit den inzwischen längst bekannten Folgen: Für den "Free Jazz" begeisterten sich nur noch Wenige der ohnehin schon kleinen intellektuellen Jazz-Gemeinde.

Zum Einfühlen in dieses Album mit einer Gesamtlänge von einer guten halben Stunde sollte man sich mindestens die doppelte Zeit nehmen, um es gleich wieder von vorn zu hören und wiederum nur in Gänze. Doch dann darf man auch schon mal nebenbei im Buch oder in anderen biographischen Anmerkungen blättern oder das Gebet lesen, das der 38-jährige John Coltrane in jenem Dezember 1964 - nur knapp drei Jahre vor seinem Tod - zu seinem Werk verfasst hat mit der Überschrift: "A Love Supreme".  

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Play Jazz! | 14.03.2009 | 22:05 Uhr

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