Stand: 16.06.2020 10:13 Uhr

Soziologin: Die Corona-Warn-App ist sinnvoll

Nach wochenlangen Vorbereitungen geht die offizielle deutsche Warn-App im Kampf gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 an den Start. Die medizinische Soziologin von der Uni Halle-Wittenberg, Anja Knöchelmann, sagte im Hörfunk-Interview auf NDR Info, nach bisherigen Erfahrungen werden sich die App eher Menschen mit höherem Einkommen und Bildungsgrad herunterladen, aber auch jüngere Menschen. Insgesamt werde die App ihrer Einschätzung nach nicht flächendeckend genutzt werden.

Die kostenlose Anwendung meldet, wenn man einem Corona-Erkrankten zu nahe gekommen ist. Das soll helfen, Infektionsketten zu durchbrechen und so die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Knöchelmann hat keine Bedenken beim Datenschutz

Das Problem sei, dass längst nicht alle Menschen in Deutschland ein Smartphone hätten, so die Soziologin. Außerdem könne das Herunterladen der Corona-Warn-App eine Hürde darstellen, weil zum Beispiel das Datenvolumen auf dem Handy nicht ausreiche oder die Internet-Verbindung nicht gut genug sei.

Beim Thema Datenschutz hat Knöchelmann dagegen keinerlei Bedenken: "Im Gegensatz zu anderen Ländern werden die Daten bei uns dezentral gespeichert. Das heißt, es bleibt nur auf meinem Handy. Und nur wenn ich mich als positiv getestet melde, dann wird das auf dem Server hochgeladen", sagte sie auf NDR Info. Selbst dann habe aber niemand Zugriff auf die Daten - auch nicht das Gesundheitsamt.

"App bietet Schutz auch bei niedrigen Zahlen"

Die medizinische Soziologin geht davon aus, das aufgrund der zurzeit niedrigen Infektionszahlen nicht allzu viele Menschen eine Notwendigkeit darin sehen, die App zu installieren. Es wäre aus ihrer Sicht dennoch wünschenswert, dass möglichst viele Bürger die App herunterladen, denn auch bei niedrigen Zahlen könne sie helfen, weitere Ansteckungen zu reduzieren.

"Abstand halten ist weiter wichtig"

Knöchelmann hofft, dass die Corona-Warn-App in Zukunft weiterentwickelt wird, damit sie passgenauer arbeiten kann. So könne vielleicht auch irgendwann ermittelt werden, ob das Treffen einer infizierten mit einer gesunden Person im Freien stattgefunden habe oder in einem geschlossenen Raum.

Abschließend sagte die Soziologin im Interview auf NDR Info: "Ansonsten kann ich wirklich nur alle aufrufen, den Mindestabstand einzuhalten. Wenn wir uns nicht näher kommen als zwei Meter, dann wird auch nichts gespeichert."

Bundesregierung ruft zum Mitmachen auf

Die Bundesregierung hat die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland noch einmal zum Mitmachen bei der Warn-App aufgerufen. Der Kampf gegen das Virus sei ein Teamspiel, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Ersten. Er hoffe, dass die Anwendung millionenfach heruntergeladen werde. Dazu sollen unter anderem Werbekampagnen beitragen. Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) empfahl Eltern, die App auch auf den Smartphones ihrer Kinder zu installieren. Dies sei genauso sinnvoll wie bei Erwachsenen, entscheiden müssten das die Familien selbst.

Die Anwendung kann in den App-Stores von Google und Apple heruntergeladen werden. Die Nutzung ist freiwillig, die Bundesregierung verspricht hohen Datenschutz. Datenschützer begrüßen das deutsche Modell, das Bewegungsprofile nicht erfasst.

Weitere Informationen
Auf einem Smartphone läuft eine Corona Warn-App. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Jaitner

So funktioniert die Corona-Warn-App

Die Corona-Warn-App soll dabei helfen, die Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu durchbrechen. Wie die Corona-Warn-App funktioniert, auf welchen Handys sie geladen werden kann und welche Daten erhoben werden - ein Überblick. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 16.06.2020 | 07:20 Uhr

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