Stand: 26.06.2020 12:23 Uhr

Lage in Fleischindustrie: "Wir haben weggeguckt"

Barbara Otte-Kinast © dpa-picture alliance Foto: Peter Steffen, dpa
Die niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) räumt Fehler ein.

Nicht erst seit dem Corona-Ausbruch in einer Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück stehen Schlachthofbetreiber in der Kritik. Schon lange gibt es Vorwürfe, dass Tiere schlecht behandelt würden, dass die Arbeitsbedingungen mies seien und dass Fleisch nur deshalb so billig sei. Diese Themen will Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) mit ihren Kolleginnen aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen heute bei einem "Fleischgipfel" in Düsseldorf besprechen. Mit am Tisch sitzen auch Vertreter der Industrie, des Handels und Tierschützer.

Im Interview auf NDR Info bezeichnete die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) das Treffen als "interne Arbeitssitzung". DGB und Grüne hatten den Gipfel eine Show-Veranstaltung genannt. Doch sie lege keinen Wert auf Show, sagte Otte-Kinast. Es gebe ein Problem, das zu lösen sei: Man müsse Landwirten eine Perspektive geben - aber den Werkvertragsarbeitern in Schlachthöfen auch. Bei den Beschäftigten habe man viel zu lange weggeschaut, so die Ministerin: "Da müssen wir uns nichts vormachen. Wir haben das laufen lassen und weggeguckt - und das geht jetzt nicht mehr." Die Unterbringung und die Arbeitsbedingungen der Menschen in den Betrieben müssten besser werden, forderte die CDU-Politikerin.

Otte-Kinast: "Die Pandemie hat alle wachgerüttelt"

Auf die Frage, warum man nicht schon längst etwas gegen schlechte Bedingungen in der Branche getan habe, sagte Otte-Kinast, es seien mehrere Behörden und Ministerien dafür zuständig. "Die Pandemie hat alle wachgerüttelt. Und das ist in meinen Augen gut so." Ihre Aufgabe als Landwirtschaftsministerin sei es, auf den Tierschutz zu gucken. Aber natürlich mache sie sich nicht nur Sorgen um die Tiere, sondern auch um die Menschen, die in diesen Betrieben arbeiten. Gerade bei den so genannten Werkvertragsarbeitern, also Menschen, die für Subunternehmen zu meist schlechten Konditionen tätig sind, werde sich viel tun, kündigte die Ministerin an.

Mehr Tierwohl kostet 40 Cent pro Kilo Fleisch - Und Menschenwürde?

Wieviel mehr Geld Fleisch kosten würde, wenn es unter fairen Bedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Schlachthöfen produziert würde, konnte Otte-Kinast nicht beziffern. Sie verwies darauf, dass Anfang des Jahres eine Kommission des Bundeslandwirtschaftsministeriums berechnet habe, dass es 40 Cent mehr pro Kilo Fleisch kosten würde, wenn man die Ställe von Schlachtvieh tiergerecht umbauen würde. Aber, so sagte Otte-Kinast, der Standard der Menschen, die in der Branche arbeiten, sei da nicht eingerechnet.

"Landwirte wollen nicht Buhmänner der Nation sein"

Otte-Kinast sagte, bei dem Treffen in Düsseldorf müsse man auch über die Lage der Landwirte sprechen. Die Bauern hätten immer geliefert, was die Verbraucher haben wollten, aber sie würden nicht als Buhmänner der Nation dastehen wollen. Ihrer Ansicht nach gebe es bei den Landwirten die Bereitschaft, in der Tierhaltung umzubauen. Aber es gehe auch um die Frage, wie die Perspektiven für die Bauern aussehen.

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NDR Info | Infoprogramm | 26.06.2020 | 07:08 Uhr

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