Stand: 08.01.2020 11:00 Uhr

Iran-Krise: "Die USA sollten nicht zurückschlagen"

In Bagdad schwenkt ein Demonstrant während eines Protests gegen den iranischen Raketenangriff eine irakische Flagge.
Nach dem iranischen Vergeltungsangriff schwenkt am Mittwoch ein Demonstrant in Bagdad eine irakische Flagge.

Als Vergeltung für die gezielte Tötung von General Soleimani hat der Iran die US-Truppen im Irak angegriffen. Das US-Verteidigungsministerium bestätigte, dass eine Militärbasis im Zentrum des Iraks und ein Stützpunkt nördlich von Erbil mit Raketen beschossen wurden. Amerikanische Opfer habe es nicht gegeben. Laut Bundeswehr sind auch alle deutschen Soldaten wohlauf.

Konflikt entschärfen

Der ehemalige deutsche Botschafter im Irak (2004-2006) und im Iran (2009-2013), Bernd Erbel, sagte am Mittwoch im Interview auf NDR Info, es bestehe jetzt "die Möglichkeit der Deeskalation". Es sei "außerordentlich wichtig, dass von den USA auf diese sehr limitierte Vergeltung nicht ein erneuter Schlag erfolgt."

Keine militärische Lösung

Erbel betonte weiter, es sei klar, dass die Vereinigten Staaten um ihre militärische Überlegenheit dem Iran gegenüber wissen, "dass sie den Iran mit einem konventionellen Krieg weitgehend zerstören könnten. Aber sie wissen auch, dass sie den Iran nicht mit Bodentruppen besetzen und endgültig besiegen könnten". Man könne sehr viel zerstören. Man könne aber nicht sicherstellen, dass der Iran die Rolle spiele, die die USA wünschen. "Das heißt, es gibt keine Möglichkeit, diese Problematik militärisch zu lösen."

Europa muss Angebote machen

Nun komme es entscheidend darauf an, wie die amerikanische Seite, wie US-Präsident Donald Trump reagiere. Zudem kritisiert Erbel, dass die Europäer sich bisher auf "relativ schwache Kommentare und Reaktionen" beschränkt hätten. "Entscheidend war, dass nach der Kündigung des Atomabkommens durch Trump, es den Europäern nicht gelungen ist, den Iranern eine wirkliche Alternative vorzustellen und aufzubauen, die sie dazu gebracht hätten, am Atomabkommen im vollen Umfang festzuhalten."

Der Irak kann nicht mit den USA brechen

Zur Rolle des Irak in diesem Konflikt sagte der Diplomat Erbel: "Außenpolitisch ist völlig klar: Der Irak kann es sich weder leisten, mit den USA zu brechen, noch ein nicht tragfähiges Verhältnis zum Iran zu haben." Dort bestünden starke wirtschaftliche Beziehungen. Der Irak müsse also einen Balance-Akt schaffen.

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In Teheran halten Trauergäste ein Plakat, auf dem Särge US-Amerikanischer Soldaten zu sehen sind und der Schriftzug "Hard Revenge".

Iran greift US-Stützpunkte im Irak an

Mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte im Irak hat der Iran Vergeltung geübt für die Tötung von General Soleimani. US-Präsident Trump twittert: "Alles ist gut." Mehr bei tagesschau.de. extern

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NDR Info | Infoprogramm | 08.01.2020 | 07:10 Uhr

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