Stand: 24.07.2020 08:48 Uhr

"Flächendeckende Tests sind der Schlüssel"

Um eine zweite Corona-Welle zu verhindern, sollen Reisende aus Risiko-Gebieten getestet werden. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern empfehlen verpflichtende Tests an Flughäfen. Über die mögliche Umsetzung sprechen sie heute. Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, hält Tests bei Urlaubsrückkehrern ebenfalls für sinnvoll. Im Gespräch mit NDR Info lehnte er eine Testpflicht aber ab.

Bei einer Frau wird ein Abstrich mit einem langen Wattestäbchen in der Nase gemacht. © pathermedia Foto: ryanking999
Ein Corona-Test direkt am Flughafen? Darauf müssen sich Reisende aus Riskiogebieten einstellen. (Symbolbild)

Umfassende Tests in Reisezentren seien ein "ganz wichtiges Werkzeug, wenn wir eine zweite Corona-Welle in Deutschland vermeiden wollen", sagte Landsberg. Das Robert-Koch-Institut habe 130 Staaten als Risikogebiete ausgewiesen, dennoch seien auch in Corona-Zeiten die Deutschen Reise-Weltmeister. Landsberg forderte, die Test-Kapazitäten deutlich auszubauen. Und zwar überall dort, wo Reisende zurückkehren - also an Bahnhöfen, Flug- und auch Seehäfen. Dabei müssten die Tests schnell und ohne lange Wartezeiten vonstatten gehen, die Ergebnisse binnen 24 Stunden vorliegen.

Landsberg: "Das geht nur freiwillig"

"Das Ganze geht nur freiwillig", so Landsberg. Die Menschen müssten überzeugt werden, fügte er hinzu - das klappe ja schließlich auch bei der Corona-App. "Man muss den Leuten sagen: Ihr schützt euch, ihr schützt eure Angehörigen, dann kann das funktionieren." Seiner Ansicht nach wäre es eine enorme Entlastung, wenn der Test gemacht werde, bevor die Kinder wieder in die Schule oder die Reisenden wieder zur Arbeit gehen.

Mit Tests neue Corona-Einschränkungen vermeiden

Für Landsberg sind flächendeckende, leicht verfügbare Tests der Schlüssel, um mögliche Infektionsketten zu entdecken. Diese Tests müssten für die Bürger kostenlos sein, forderte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes. Denn: "Was würde es dieses Land kosten, wenn wir einen flächendeckenden Lockdown bekommen, für die Wirtschaft, für die Gesellschaft? Das wollen wir nicht. Deswegen ist testen, testen, testen der richtige Ansatz."

Vorerst keine Rückkehr zu Normalität

Landsberg sieht kein baldiges Ende der Corona-Einschränkungen bei Veranstaltungen und dergleichen. Angesichts kühlerer Temperaturen im Winter würden sich die Menschen wieder mehr drinnen aufhalten. Es werde, so Landsberg, nirgends einen "echten Normalbetrieb" geben - weder auf dem Weihnachtsmarkt, noch beim Konzert, im Kino oder beim Essengehen. Darauf müssten sich die Menschen einstellen. Und, fügte er hinzu, wahrscheinlich noch relativ lange.

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Passagiere mit Atemschutzmasken stehen in einer Warteschlange am Flughafen in Zürich. © Keystone / picture alliance Foto: Enno Leanza

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NDR Info | Infoprogramm | 24.07.2020 | 08:49 Uhr

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