Stand: 22.10.2019 16:30 Uhr

Gute Idee? Weltraumbahnhof?

Natürlich ist das erst einmal eine sehr gute Idee: Brauchen wir in Deutschland nicht dringend einen Weltraumbahnhof? Also - einen Platz, von dem aus Raketen ins All geschossen werden können? Der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat Sympathie dafür.

Eine Glosse von Richard Berkowski

Endlich einmal gute Nachrichten von unserem Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Er will durchaus wohlwollend prüfen lassen, ob es nicht sinnvoll wäre, in Deutschland einen Weltraumbahnhof zu errichten. Die Idee stammt nicht von ihm, sondern vom Bundesverband der Deutschen Industrie. Der BDI hatte in letzter Zeit an Altmaier kaum ein gutes Haar gelassen - keine Friseurwitze über Kabinettsmitglieder bitte! – und somit nutzt der Minister so auch wohl die Gelegenheit, hier wieder Terrain gut zu machen. Der BDI wiederum sieht in diesem Vorschlag die Möglichkeit, Deutschlands High-Tech-Kompetenz zu betonen. Nun muss man leider nach den Erfahrungen aus Stuttgart und Berlin doch berechtigte Zweifel anmelden, ob gerade noch ein weiteres großes Verkehrsprojekt dazu geeignet ist, zum deutschen Renommee als Technologie-Standort beizutragen.

Eine indische Rakete startet auf dem Weltraumbahnhof Satish Dhawan in Chennai.

AUDIO: Ich verstehe nur Weltraumbahnhof (3 Min)

Weit entfernt vom Äquator

Eine Vega-Trägerrakete startet auf dem europäischen Weltraumbahnhof Kourou mit einem ESA-Erdbeobachtungssatellit an Board. © dpa-Bildfunk Foto: Stephane Corvaja/ESA/dpa
Wo nur in Deutschland könnte ein Weltraumbahnhof entstehen?

Apropos Standort: Auch da gibt es schon recht konkrete Vorschläge: Immer wieder genannt werden die Flugplätze Rostock Laage und Nordholz bei Cuxhaven. Beide liegen dicht an der Küste, was sich für Raketenstarts als durchaus sinnvoll erwiesen hat. Sowohl planmäßig abgetrennte Bauteile als auch fehlerhaft auf Irrflug befindliche Raketen können so ins Wasser fallen. Was passiert, wenn man brennende Raketenteile stattdessen ins Moor fallen lässt, davon können die Bewohner von Meppen und Umgebung ein wenig wohltönendes Lied singen. Aber leider sind sowohl Rostock als auch Nordholz nicht nur relativ dicht am Wasser gebaut sondern auch recht weit entfernt vom Äquator, ein Schicksal, das sie mit der gesamten Bundesrepublik teilen.

Baubeginn des Peter-Altmaier-Spaceport

Nun sollen von dem zu schaffenden Weltraumbahnhof mit so genannten Micro-Launchern in erster Linie Satelliten ins All gebracht werden. Wenn diese aber eine geostationäre Position einnehmen sollen, damit man sie problemlos anpeilen kann, müssen sie sich aber nun einmal über dem Äquator aufhalten. Da ist ein Startplatz an der Ostseeküste etwa so sinnvoll, wie die Errichtung eines Ofens für einen Hamburger Pizza-Service in Braunlage im Harz. Aber nun gut, eine ergebnisoffene Standortsuche durch eine Bundesbehörde, wenn das bei einem Weltraumbahnhof auch so schnell geht wie bei einem atomaren Endlager, dann gibt es zum Baubeginn des Peter-Altmaier-Spaceports wahrscheinlich schon eine ständige Kolonie auf dem Mond.

Und wer weiß, vielleicht hat Berlin dann auch schon einen neuen Großflughafen. Man wird ja noch träumen dürfen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 22.10.2019 | 18:25 Uhr