Stand: 11.10.2019 15:31 Uhr

Wir brauchen Eier!

Mit dem Ei fing alles an - das ist ja hinlänglich bekannt. Bleibt zu hoffen, dass das Ei uns auch noch lange erhalten bleibt. Sonst könnten wir zum Beispiel den "Welttag des Ei" gar nicht mehr feiern ...

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Ein Ei kommt selten allein ...

Am Anfang war das Ei. Ja, oder die Henne. Auch in diesem Fall weiß man es wieder nicht. Fest steht: Beide standen am Beginn von Gedanken, die sich meine Eltern noch nicht gemacht haben: Hängt da Kinderarbeit am Kleiderständer? Wo kommen unsere Schnitzel her? Wer lötet das Handy zusammen? Welcher Tropenbaum fiel meiner Kommode zum Opfer? Wie viele Elefanten wurden pro Oktave für Omas wohltemperiertes Klavier kaltgemacht? Und welchem Elend entstammt eigentlich der Kaffee auf meinem Schreibtisch?

Sie merken schon: Die Reihe ließe sich endlos weiter fragen. Glücklich der, dessen Hirn sich gegen derlei Bedenken abriegeln kann. Das meine ist in solchen Dingen leider offen wie ein Scheunentor.

Frühstücksei © dpa - Bildfunk Foto: Martin Gerten dpa/lnw

Am Anfang war das Ei

NDR Info - Auf ein Wort -

Mit dem Ei fing alles an. Das Leben als solches, aber auch der Tierschutz im Hinblick auf Küken und Legebatterien. Zum Welttag des Eis eine Glosse von Detlev Gröning.

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Freie Sicht auf die Hühnerfarmen

Dass Lektion eins des ökologischen Einsteigers ausgerechnet im Dekodieren eines Eierstempels bestand, kam nicht von Ungefähr: Hatte man die Zustände in Malaysia, Ecuador und der Serengeti nicht täglich vor Augen, so haben gerade wir Norddeutschen Flachländler umso freiere Sicht auf die Hühnerfarmen in der Nachbarschaft und die mutmaßlichen Haftbedingungen des eingekerkerten Federviehs.

Kükenschredder-Dokus ändern alles

Schon mit etwas Reise- und Alltagserfahrung gelingt dabei mühelos die Ableitung des Hühnerdaseins ins eigene Leben: Käfighaltung entspricht der Touristenklasse eines ausgebuchten Ferienfliegers, Bodenhaltung erleben wir im ICE mit ausgefallener Reservierungsanzeige am Freitagnachmittag - und erst die Freilandhaltung entspricht der luftigen Besucherdichte eines Mittelfeldduells in der Verbandsliga.

Damit kann man leben. Das heißt: Damit konnte man leben - bis zu diesen entsetzlichen Kükenschredder-Dokus, bei denen jeder halbwegs mitfühlende Mensch vor seinem geistigen Auge den eigenen Wellensittich mit durch den Häcksler fahren lässt. Seitdem bewegen sich die Regale mit den Hähnchen-Aufzucht-Eiern allmählich aus der Bückware auf bequeme Zugriffshöhe.

Als Eier noch auf Termin lagen

Aus Gesundheitsgründen lagen Eier in meiner Kindheit noch auf Termin: Wenn es eins zum Frühstück gab, dann war Sonntag, und zwei aufeinander folgende Eier deuteten zuverlässig auf Ostern hin. Alle anderen - in der Soße oder im Pfannkuchen - haben irgendwie nicht mitgezählt.

Vorbild Oliver Kahn

In unseren Ernährungsratgebern vom Typ "Obst macht dick, Senf macht dumm", wo von Gyros bis Gummibärchen alles auf dem Index steht, hat das Ei so einige scharfe Kurven durchrollt - von der tödlichen Cholesterinbombe bis zum diätgeeigneten Proteinspender und weiter vom Salmonellenparadies zum Haut- und Muskelbaustoff.

Mit der notwendigen Sensibilität im Supermarkt hab ich mich Letzterem angeschlossen und halte es mit Oliver Kahn: "Wir brauchen Eier!"

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 11.10.2019 | 18:25 Uhr