Stand: 07.10.2019 14:17 Uhr

Einfach mal keine Meinung haben!

Das Verleihen der Nobelpreise ist immer eine große Geschichte - wenn es auch in den vergangenen Jahren ein wenig in Verruf geraten ist. Dass die wirklich wichtigen Preise erneut fehlen, ist aber wirklich schade ...

Eine Glosse von Nils Heinrich

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Wer hätte nicht mal gerne einen Nobelpreis in den eigenen Händen?

Hurra, es ist wieder Preisherbst. Friedensbewegte, Chemiker und Literaten müssen die Schirme aufspannen, damit sie nicht von einem herabregnenden Preis nass gemacht werden. Denn wer einen abkriegt, trägt Verantwortung. Der muss Reden halten, in Kameras lächeln und zu Markus Lanz. Bevor sich zwei Wochen später keiner mehr an ihn oder sie und diesen Preis da erinnern kann.

Es sei denn, man hält unvergessen wie Barack Obama in der einen Hand den Friedensnobelpreis und in der anderen den Joystick zum Drohnenlenken über Afghanistan. Oder man verteidigt seinen Lifestyle mit schwer befestigten Außengrenzen gegen die Hungerleider aus den Ländern, in denen wir billig Urlaub machen. Dann ist man der Friedensnobelpreisträger namens EU - aus der England bekanntlich raus will. Weshalb die Stimmung dort nicht mehr ganz so friedlich ist. Total verrückt.

Die Nobelpreismedaille von Gabriel Garciá Márquez © epa Foto: Jorge Gutierrez

Die wichtigsten Nobelpreise gibt's nicht

NDR Info - Auf ein Wort -

In dieser Woche werden wieder die Nobelpreise vergeben. Die wirklich wichtigen Preise werden aber erneut fehlen, meint Nils Heinrich in seiner Glosse. Das sei einfach nur: schade.

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Nobelpreis für Mathematik an die Deutsche Bahn?

Darum hier mal einige alternative Preisvorschläge: Der Nobelpreis für Mathematik sollte endlich mal vergeben werden, und zwar völlig zu Recht, und Sie ahnen es, an die Deutsche Bahn. Für die ist bekanntermaßen erst ein sechs Minuten verspäteter Zug verspätet. Kommt er nur fünf Minuten und 59 Sekunden später an, ist er pünktlich. Fällt der Zug aus, gilt er auch nicht als verspätet, ist also pünktlich.

Auf diese rosarote Milchmädchenrechnung sollte sich mal ein 100-Meter-Läufer beziehen, wenn er seinem Konkurrenten die Medaille nicht gönnt. Darauf ist sogar die Bundesagentur für Arbeit neidisch, obwohl sie jeden Monat wieder die Zahl der Arbeitslosen halbiert wie eine Jungfrau.

Das Internet aus, der Mund zu

Noch ein schöner Preis wäre "Der goldene Trappist" - benannt nach den schweigenden Mönchen. Den "goldenen Trappisten" bekäme ein gewisser Bernhard Baumann aus Buxtehude. Den kennen Sie nicht, denn er ist dieser eine Mensch, der die Welt nicht via Twitter und Facebook mit seiner Meinung behelligt.

Bernhard Baumann hat Fenster und Türen geschlossen, das Internet aus und den Mund zu. Er hat nicht mal einen YouTube-Kanal. Er reduziert vorbildlich das laute Debattenrattern, Diskursdisliken und Kommentarkommentieren.

Vollmeise-Dauerpreisträger Trump

Denn darauf kommt es heute mehr an denn je: einfach mal keine Meinung zu haben. Zu nichts. Den Wellensittich Peppi füttern. Und schweigend durch das geschlossene Fenster den Blättern beim Fallen vom Baum zuzuschauen - bevor sie unten vom Laubbläser weggeblasen werden, dessen Besitzer der Meinung ist, Windräder würden Krach machen.

Womit er ein Anwärter ist auf die "diamantene Vollmeise". Einen Preis, den auch mal ein anderer kriegen könnte, wenn ihn sich Donald Trump nicht jedes Jahr selbst verleihen würde.

Weitere Informationen

Ruhm, Ehre, Geld: Die Geschichte des Nobelpreises

Der wichtigste Wissenschaftspreis der Welt wurde 1901 zum ersten Mal verliehen. Der Nobelpreis geht aus einer Stiftung des schwedischen Erfinders Alfred Nobel hervor. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 07.10.2019 | 18:25 Uhr