Stand: 03.07.2015 14:57 Uhr

Ein Mann und sein Spielzeug

Spektakulärer Polizeieinsatz in Heikendorf im Kreis Plön in Schleswig-Holstein: Aus dem Keller einer Villa wurden ein alter Kampfpanzer und ein Flakgeschütz herausgezogen. Seltsame Hobbies haben manche Menschen, wirklich seltsam ...

Eine Glosse von Peter Zudeick

Der alte Panzer wird wegtransportiert © NDR Foto: Simon Kremer
Kurios oder nicht: Aber einen Weltkriegspanzer in der eigenen Garage, das hat auch nicht jeder.

Ach ja, Kindheitsträume. Naja, sagen wir mal Jugendträume. Viele bleiben unerfüllt, und erst im Erwachsenenalter, wenn man reich und fett geworden ist, kann man sich dieselben erfüllen. Die Spielzeugeisenbahn im Keller, gell, Herr Seehofer, den Tiger im Schlafzimmer, lebendig, versteht sich, die Guillotine auf dem Dachboden, originalverpackt aus dem Jahr 1792, die Schlacht bei Jena und Auerstedt, Oktober 1806, originalgetreu nachgestellt, Maßstab 1:200, mit rauchenden Kanonen und echtem Mündungsfeuer aus den Gewehren - ja gut, es wird dann zwar ein bisschen eng im Wohnzimmer, aber Opfer müssen nun mal gebracht werden für den guten Zweck.

Ja, und dann der Panzer. Der stand in den schweren Jahren des Kalten Krieges notorisch in unseren Vorgärten rum und bedrohte unsere Freiheit und das westliche Wertesystem. Und unseren Wohlstand, nicht zu vergessen. Den hätte man sich natürlich gerne in die Garage gestellt, nachdem der Sowjet den Schwanz eingezogen hatte. Geopolitisch und welthistorisch gesehen jetzt. Aber da biste ja nie drangekommen, weil der Sowjet, heimtückisch, wie er nun mal ist, seine Panzer alle mit nach Hause genommen hat.

Also was willste machen, wenn du den schicken T54 nicht kriegst? Da geht man doch beim Trödler gucken, was der sonst so zu bieten hat. Und da ist so'n Panther doch das ideale Fundstück. Ein Schnäppchen. Also kein Tier jetzt, man hat ja schon den Tiger zu Hause, sondern den Wehrmachtspanzer gleichen Namens. Zwei Meter breit, fünf Meter lang, 43 Tonnen schwer. Ja, o.k., das ist dann ein Logistikproblem. Wo bringst du das Teil unter - und vor allem wie? Wenn du eine schöne Villa mit einem großen Keller hast - gut. Nächstes Problem: Was machst du mit dem 8,8-Zentimeter-Flakgeschütz? Das braucht auch seinen Platz. Aber gut, der Mann aus Heikendorf hat all das, er hat den Panther und das Geschütz untergebracht - und jetzt darf er nicht damit spielen? Ja, haben die noch alle Nadeln an der Tanne?

Wir wissen natürlich, dass die Obrigkeit grundsätzlich doof ist und man Nachsicht üben muss, wenn sie mal wieder Mist baut, weil sie nicht anders kann. Aber einem Mann sein Spielzeug wegnehmen? Geht's noch? Brechen demnächst Bundeswehr-Stoßtrupps in Kinderzimmer ein, um da allerlei Waffen und Kriegsgerät zu konfiszieren? Von wegen "Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz". Das ist Privatsphäre, zum Teufel noch mal. Sollen sie meine Daten vorratsspeichern und mich von BND und NSA abhören lassen - aber meinen Kampfhubschrauber aus dem Vietnamkrieg lasse ich mir doch nicht aus dem Garten holen, nur weil die Obrigkeit nicht ganz richtig tickt.

Guck mal: Das sind doch Trophäen, die uns an unsere Jugend erinnern. Der eine sammelt Strumpfbänder oder BH-Applikationen, der andere Muscheln oder Bernsteingebilde, der nächste Liebesbriefe, irgendwie alles Jugenderinnerungen. Und wenn meine Jugend zugebrettert war mit jahrelangen Debatten über Cruise Missiles und SS20 und all den Kram, dann will ich sowas auch zu Hause haben und damit spielen und dabei in Erinnerungen schwelgen. Das nenne ich Freiheit: Die einen schleppen Mädels ab, indem sie ihnen einen Blick in die Briefmarkensammlung versprechen, unsereiner lockt mit dem Versprechen, dass sie auch mal mit einer Rakete spielen darf. Und das muss doch wohl noch möglich sein. In diesem Land.

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Der alte Panzer im Seitenprofil © NDR Foto: Simon Kremer

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Spektakulärer Polizeieinsatz in Heikendorf (Kreis Plön). Aus dem Keller einer Villa wurde am Donnerstagabend ein alter Kampfpanzer geborgen. Beim Einsatz half die Bundeswehr mit schwerem Pioniergerät. Bildergalerie

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NDR Info | Auf ein Wort | 03.07.2015 | 18:25 Uhr