Stand: 19.03.2012 07:41 Uhr

Was ist eine Transfergesellschaft?

von Christopf Rasch, NDR Info Wirtschaftsredaktion
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Eine Transfergesellschaft soll Weiterbildung und Jobvermittlung für viele tausend Schlecker-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten.

Ob Nokia in Bochum, die Wadan-Werften in Warnemünde oder Karmann in Rheine - wenn große Unternehmen hunderte Mitarbeiter vor die Tür setzen, dann kann eine sogenannte Transfer-, Beschäftigungs- oder Auffanggesellschaft für viele von ihnen eine Brücke zurück in den Arbeitsmarkt sein. Sie muss die Entlassenen aktiv auf eine neue Beschäftigung vorbereiten - etwa durch Motivations-Trainings.

Thomas Gerber von der Transfergesellschaft für die Karmann-Mitarbeiter 2009 beschrieb seine Mission seinerzeit so: "Es gibt immer wieder Leute, die ihr Licht ein bisschen unter den Scheffel stellen und sich das nicht zutrauen. Aber zu beweisen, dass es doch geht, genau diese Möglichkeit geben wir den Mitarbeitern hier."

Es ist leichter, Menschen aus der Beschäftigung heraus zu vermitteln

Die Grundidee dieser oft von externen Personaldienstlern betriebenen Gesellschaften ist: "Es ist leichter, einen Menschen aus einer Beschäftigung heraus in einen neuen Job zu vermitteln, als einen Arbeitslosen. Deshalb sind die Betroffenen auch offiziell bei der Transfergesellschaft beschäftigt, erhalten dort Zusatz-Qualifikationen sowie für ein Jahr knapp zwei Drittel ihres letzten Nettolohns. Vor den Hartz-Reformen war es mehr, damals wurden die Gesellschaften von Kritikern oft als "Frühverrentungsprogramme" geschmäht.

"Vielfach scheitert es an der Finanzierung"

Heute seien sie vor allem in Krisenzeiten ein gängiges Arbeitsmarkt-Instrument, das aber nicht immer eingesetzt werden kann, sagt Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit: "Vielfach scheitert es eben an der Finanzierung, wenn die Unternehmen nicht in der Lage sind, diese Transfergesellschaft zu finanzieren. Da denke ich insbesondere an Quelle, da war auch lange Zeit eine Transfergesellschaft im Blick, die konnte aber letztlich nicht finanziert werden."

Denn Arbeitsagentur und Europäischer Sozialfonds tragen lediglich einen Teil der Kosten. Der Erfolg der Gesellschaften, die der Steuerzahler in den letzten Jahren dennoch mit dreistelligen Millionenbeträgen subventioniert hat, ist umstritten. Offizielle Zahlen der Bundesagentur über den Vermittlungserfolg gibt es nicht. Meist sei kaum zu ermitteln, ob ein neuer Job nun auf die Aktivitäten einer Transfergesellschaft zurückgeht - oder auf eigene Anstrengungen des Betroffenen.

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NDR Info | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.03.2012 | 16:00 Uhr