Stand: 03.05.2019 10:15 Uhr

Frauen machen Firmen erfolgreicher

von Nicolas Lieven, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Mehr Frauen in Führungspositionen - darüber wird viel gesprochen. Aber warum eigentlich? Ist die Gleichberechtigung der einzige Grund? Oder macht es auch wirtschaftlich Sinn? Ist es vielleicht sogar zwingend notwendig, um Erfolg zu haben? Ja, sagt eine Topmanagerin, die es wissen muss.

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"Bei einem höheren Frauenanteil laufen Diskussionen ganz anders ab", sagt die Ex-Topmanagerin Christine Theodorovics.

Christine Theodorovics ist eine der wenigen Frauen, die es bis ganz nach oben geschafft haben. Die 50-jährige Österreicherin ist Bank- und Versicherungsexpertin. Sie war Topmanagerin bei Swiss Life, Credit Suisse und im Vorstand der Zürich Gruppe. Sie hat festgestellt: Diskussionen in gemischten Gremien laufen völlig anders ab. "Und mit gemischt meine ich nicht nur eine einzige Frau und 15 Männer. Wenn der Frauenanteil so bei 25 bis 30 Prozent liegt, dann ist die Diskussion eine andere. Das merkt man an der Qualität und an der Dauer der Beiträge der teilnehmenden Frauen."

"Den Frauen wird nicht zugehört"

Die Frauen werden ansonsten einfach "über-redet", ihnen wird schlichtweg nicht zugehört, sagt Christine Theodorovics. Dabei seien Austausch und Diskussion auch wirtschaftlich zwingend notwendig: "Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass eine gute Mischung unabdingbar für Erfolg ist. Damit meine ich nicht nur Frauen und Männer: Auch Jung und Alt bringen unterschiedliche Ansichten mit ein."

Zusammenhang zwischen Frauenanteil und Erfolg

Zahlreiche Studien untermauern Theodorovics' Erfahrungen. So hat das Washingtoner Peterson Institute for International Econonics 22.000 Unternehmen in 90 Ländern untersucht. Fazit: Steigt der Frauenanteil in den Chefetagen um 30 Prozent, wächst der Nettoumsatz um 15 Prozent. Auch die Unternehmensberatung McKinsey kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Mit steigendem Frauenanteil steigt auch die Wahrscheinlichkeit der Unternehmen, überdurchschnittlich erfolgreich zu sein.

Besonders beeindruckt haben Christine Theodorovics auch Entwicklungsprojekte - unter anderem in Nepal und Afrika: "Die bei Weitem erfolgreichsten Projekte kommen von der weiblichen Community vor Ort. Die Frauen setzen ihre kleinen Einkünfte wieder ein, um ihre Familie und die Community zu ernähren, um andere Frauen zu schulen - und so das Dorf zu unterstützen. Das ist nicht der Fall, wenn man das über die normalen patriarchalischen Communitys macht, weil dann das Geld nicht zu einem großen Teil der Familie zugute kommt, sondern auf den Kopf gehauen wird."

Wirkliches Umdenken findet nicht statt

Teamorientierter, flexibler, offener, verantwortungsvoller beim Umgang mit Ressourcen und Menschen - das könne auch helfen, Krisen zu verhindern, sagt die Österreicherin. Ein wirkliches Umdenken in den Führungsetagen der Unternehmen macht Christine Theodorovics dennoch nicht aus. Weder in Deutschland noch in Österreich, schon gar nicht in der Schweiz. Obwohl selbst ihr ehemaliger Arbeitgeber, Credit Suisse in der Schweiz, in einer Studie die positiven wirtschaftlichen Effekte eines höheren Frauenanteils nachgewiesen hat.

Gehaltsunterschiede weiter groß

Getan habe sich dennoch wenig. Auch die Gehaltsunterschiede seien gerade in den Führungsetagen weiterhin groß: "Ich kann mich gut erinnern, als ich vor 20 Jahren in eine Schweizer Bank gekommen bin. Da waren alle ganz stolz, weil es hieß, man habe den Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern auf 27 Prozent reduziert. Das war vor 20 Jahren. Und da hat sich nicht wahnsinnig viel getan. Ich sehe das eher in der Einstellung der jungen Leute."

Und das mache ihr Hoffnung. Allerdings: Ohne einen männlichen Sponsor, einen Förderer, einen Unterstützer, so Theodorovics, werden es Frauen auch weiterhin schwer haben, in die obersten Führungsetagen vorzustoßen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 03.05.2019 | 07:41 Uhr