Ein VW-Mitarbeiter mit einem Mund- und Nasenschutz steht in der Produktion neben einem Auto im Werk in Wolfsburg. © picture alliance/dpa Foto: Swen Pförtner

Wandel in der Autobranche: Problem erkannt - Gefahr gebannt?

Sendedatum: 30.04.2021 06:38 Uhr

Die Autoindustrie steht vor großen Herausforderungen - Lange hat sie den Umstieg auf die Elektromobilität verschlafen - endlich ist sie aufgewacht

von Markus Plettendorff

Immer strengere CO2-Vorgaben, neue Richtwerte für Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen und nicht zuletzt ein sich änderndes Kundenverhalten haben die Autobauer massiv unter Druck gesetzt. Zu lange haben die Konzerne am Verbrennungsmotor festgehalten, sagt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher: "Die deutsche Automobilbranche hat sich zu lange auf ihrem Erfolg ausgeruht. Und Erfolg macht häufig träge, das haben wir in den 2010er Jahren erlebt. Die deutschen Automobilhersteller - mit einem riesigen Weltmarktanteil, hohen Gewinnen, hohen Profiten - haben verschlafen in Zukunftstechnologien zu investieren."

Weitere Informationen
Ein Elektroauto an einer Ladestation. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
15 Min

Abgasskandal, E-Auto-Fluch, Corona: Perspektiven der Autoindustrie

Trotz Gewinnbilanzen: den deutschen Autobauern macht der Strukturwandel zu schaffen. Profitable Wertschöpfungsketten fehlen. 15 Min

Branche will Versäumtes schnell nachholen

Inzwischen hat die Branche das Problem erkannt und gibt Gas in Sachen Elektromobilität. Eine Umstrukturierung, die viel Geld und Arbeitsplätze kostet: "Man hat relativ schnell reagiert, hat relativ schnell Kosten reduziert. Und das hat sich auch in den Bilanzen sehr gut entwickelt für die deutschen Automobilhersteller. Aber klar ist auch: Der mittel- und langfristige Weg hin zur Elektromobilität, zum autonomen Fahren, zur Connectivity ist noch weit und steinig", sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft. Er beobachtet die weitreichenden Sparmaßnahmen der deutschen Autobauer, die zwar eher glimpflich durch das Corona-Krisenjahr 2020 gekommen sind, dennoch aber rund ein Viertel weniger Autos gebaut haben als noch 2019. Und so werden beschlossene Sparprogramme fortgesetzt - trotz Milliardengewinnen: Einstellungsstopp bei VW, Stellenabbau durch neue Angebote für Vorruhestandsregelungen und Altersteilzeit, zwei Milliarden Euro Einsparung an Personalkosten bei Daimler.

Zulieferindustrie stärker betroffen

Während die mehr als 800.000 Beschäftigten der Autobauer eher hoffen können, diesen Wandel mit Hilfe von Umschulungsmaßnahmen und Jobgarantien zu überstehen, ist die Situation in der Zulieferindustrie weniger einfach, sagt Bratzel: "Die, die in den traditionellen Bereichen rund um Verbrennungsmotor, Getriebe unterwegs sind, müssen sich tatsächlich Gedanken machen. Hier wird ein starker Abbau von Arbeitsplätzen in den nächsten Jahren passieren." Ökonom Marcel Fratzscher befürchtet: "In Deutschland wird es in der Automobilbranche große Verwerfungen bei den Arbeitsplätzen geben, teilweise gibt es die ja schon. Wir wissen, dass das Auto der Zukunft wahrscheinlich mehrheitlich nicht aus Hardware, sondern aus Software besteht und deshalb brauchen wir auch in den Bereichen Innovation, Bildung und Qualifizierung eine Kehrtwende, eine Neuorientierung damit das gelingt."

 

Weitere Informationen
Eine Frau arbeitet im Home-Office an einem Laptop.  Foto: Westend61

Digitalisierung als Chance für Frauen

Die Corona-Pandemie hat weltweit die Digitalisierung vorangetrieben - davon könnten vor allem Frauen profitieren. mehr

Ein Schüler arbeitet in seinem Klassenzimmer am Tablet. © dpa picture alliance Foto: Carmen Jaspersen
7 Min

Digitale Transformation: Schulen müssen dringend aufholen

Deutsche Schulen hinken in Sachen Digitalität mächtig hinterher - Wie könnte der Prozess beschleunigt werden? 7 Min

Ein Mann tippt auf ein virtuelles Display © Colourbox Foto: Sergey Nivens

Arbeitswelt im Wandel: Chancen und Risiken

Die Corona-Pandemie hat der Automatisierung und Digitalisierung in der Arbeitswelt einen kräftigen Schub gegeben. mehr

Eine Mutter sitzt an einem Tisch und arbeitet an einem Laptop während neben ihr ein Kind sitzt und Bilder malt. © Picture Alliance Foto: Julian Stratenschulte

Homeoffice: Arbeiten, egal wo?

Vor Corona war Arbeiten von zu Hause aus eher die Ausnahme. Infolge der Krise ist flexibles Arbeiten beliebter geworden. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 30.04.2021 | 06:38 Uhr

NDR Info Livestream

Infoprogramm

06:00 - 20:00 Uhr
Live hören