Stand: 28.10.2020 06:51 Uhr

Standpunkte: Meinungen aus deutschen Medien

Wer wird künftig die CDU führen? Diese Entscheidung fällt nicht mehr in diesem Jahr. Dass das so ist, hat vor allem den Vorsitzkandidaten und ehemaligen Unions-Fraktionschef Merz verärgert.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung"kommentiert:

"Merz grub seinen tiefsitzenden Gram gegen Merkel wieder aus und machte aus der Verschiebung des Parteitags eine von ihr gesponnene Intrige gegen seinen zweiten Anlauf, ihr Nachfolger zu werden. Er untergrub die Autorität der Parteiführung mit dem unverhohlenen Aufruf an die Basis, durch einen Mitgliederentscheid dafür zu sorgen, dass er endlich dort hinkomme, wo er hingehöre. Das alles ist Opfertum, Populismus, Narzissmus, Schaumschlägerei und Verschwörungsdenken in einem."

Die "Süddeutsche Zeitung" analysiert die politischen Defizite:

"Friedrich Merz hat mit seiner Attacke gegen das sogenannte Partei-Establishment der CDU mit Verve offengelegt, wo seine größte Schwäche und Angela Merkels größte Stärke liegen: Gemeint sind strategische Kraft und politische Klugheit. Sie hat davon viel; ihm mangelt es daran erheblich. So hungrig viele in der CDU nach neuen Ideen sind, so sehr fürchten sie, dass der Wettbewerb in einem politischen Gemetzel endet."

Der "Münchner Merkur" meint dagegen, Merz sehe sich zu Recht um seine Chancen betrogen:

"Die Entrüstung des CDU-Establishments darüber, dass der 64-Jährige seinen Zorn jetzt auch offen zeigt, ist scheinheilig und dient vor allem dem Zweck, den von den Mächtigen der Partei ungeliebten Kandidaten erst recht ins Abseits zu drängen. Eine Urwahl durch die Parteimitglieder wird nicht mal erwogen. Lieber wird ein für das gesamte Land bedeutsamer Wahlakt, die Kür des Vorsitzenden der Kanzlerpartei, auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Das ist eine schwere demokratische Zumutung."

Die "Aachener Zeitung" hält Merz nicht für den geeigneten Kandidaten.

"Mit billigen Angriffen wie dem jüngsten, mit dem er im Kampf um den Vorsitz zu punkten hoffte, wird er es nicht weit bringen. Sich auch noch zum Opfer zu machen, das passt so gar nicht zu ihm. Merkel würde das nicht passieren. Aber ihr kann Merz eh nicht das Wasser reichen. Merkel schweigt lieber. Und denkt sich ihren Teil. Das hätte Friedrich Merz auch besser getan."

Die "Volksstimme" aus Magdeburg meint, Merz isoliere sich selbst, wenn er zu heftig polarisiere:

"Seine Vorwürfe gegen das CDU-'Establishment', so begründet sie auch sind, wecken nicht nur ungute Erinnerungen an den Wahlkampf eines Donald Trump, der sich auch gern als Außenseiter geriert. Es ist auch fraglich, ob diese Strategie in einer Partei funktioniert, die nach Harmonie strebt. Wer in der Partei am lautesten Attacke bläst, zwingt oft gerade seine Freunde in die Deckung."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachrichten | 28.10.2020 | 06:27 Uhr

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