Zwischen Hamburg und Haiti / Classics

Zwischen Fremdheit und Nähe: Dresden 1984 und 2021

Sonntag, 03. Oktober 2021, 09:34 bis 10:00 Uhr, NDR Info

Ene Sendung von Eberhard Hahn und Katja Henkel, MDR Dresden

Moderation: Juliane Eisenführ

Der Zwinger in Dresden. © Shutterstock
Prägt das Bild der Elbstadt Dresden: der Zwinger.

Als Eberhard Hahn 1984 nach Dresden fuhr, stand die Mauer noch (scheinbar) fest. Einreise- und Anmeldeformalitäten waren unverzichtbar. Eine Reise in die Stadt an der Elbe schien damals exotischer als manche Fernreise. Doch Eberhard Hahn war der Einladung seiner entfernten Tante Constanze gefolgt. Sie, als Rentnerin "im Westen" gewesen, wollte ihm ihre Stadt und ihren erwachsenen Sohn präsentieren. Schon damals lebte Katja Henkel ganz in der Nähe dieses Geschehens.

1965 in Dresden geboren, in Radebeul aufgewachsen ist sie ein Kind der DDR und inzwischen seit vielen Jahren Redakteurin beim Mitteldeutschen Rundfunk in Dresden. Keine schlechte Erfahrung, zwei Gesellschaftssysteme erfahren zu haben, sagt sie im Gespräch mit Juliane Eisenführ. Und Dresden sei nach wie vor ihre Heimat.

Dresden 1984 - eine Zeitreise

Reichlich ahnungslos - so sah er es selbst - fuhr Eberhard Hahn 1984 ins "Tal der Ahnungslosen". Dorthin, wo kein Westfernsehen den Blick in die "andere Welt" zuließ.

Gerne ließ er sich die schönen Seiten Dresdens von seiner Tante zeigen, und hörte von ihr manchen Seitenhieb auf die politischen Verhältnisse in der DDR. Erstaunt musste er feststellen, dass eine Einladung ins Restaurant zum Dank für die erwiesene Gastfreundschaft wenig erfolgreich war...

Einige der Restaurants, vor dessen verschlossenen Türen Eberhard Hahn damals stand, existieren noch heute und gehören auch für Katja Henkel zu den schönen Orten Dresdens. Wie sie überhaupt ihren Gästen eine ganz ähnliche Tour durch die Stadt empfehlen würde wie weiland Tante Constanze. Nur, dass heute viele Gebäude und Straßen saniert sind; die Frauenkirche steht wieder, eine typisch sächsische Kaffeepause ist kein Problem mehr. Früher, so erzählt sie, ging man eher in ein "Delikat" Geschäft und kaufte dort für besondere Gäste Ananas und Sekt. Doch obwohl viel fehlte, was im Westen alltäglich war: Ihr Leben war auch schön, sagt Katja Henkel. Arbeit und Wohnung waren sicher - mit dem Rest arrangierte man sich. Ähnlich erlebte auch Eberhard Hahn die Begegnung mit der weiteren Verwandtschaft. Aus heutiger Sicht stammen seine Schilderungen aus einer vergangenen Epoche, die Katja Henkel aus aktueller Perspektive ergänzt und klug kommentiert.

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