Zwischen Hamburg und Haiti

Der Libanon - zwischen Hoffnung und Verzweiflung

Sonntag, 07. Februar 2021, 09:34 bis 10:00 Uhr, NDR Info

Ein Straßenzug in Beirut, Libanon © NDR Foto: Franziska Amler

Ein Feature von Franziska Amler

Die Stadt ist verrückt, schön, zerfallend, alternd und für immer dramatisch beladen. Sie ist die "Elizabeth Taylor der Städte". So schwärmt der libanesische Maler Rabin Alamedinne über sein Beirut. Und er hat recht: Denn die libanesische Mittelmeermetropole ist tatsächlich eine Stadt mit vielen Gesichtern. Einst galt Beirut als das "Paris des Nahen Ostens". In den 2000er-Jahren wurde das Nachtleben als eines der aufregendsten weltweit gefeiert.

Verheerende Explosion im Beiruter Hafen im August 2020

Doch die mondäne Geschichte ist inzwischen Vergangenheit. Denn der Libanon kollabiert: Die Landeswährung hat mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren. Viele Libanesen wissen nicht mehr, wie sie ihren Kühlschank füllen sollen. Verschärft hat sich die ohnehin schon dramatische Situation durch die verheerende Explosion im August 2020 im Beiruter Hafen, als dort 2.750 Tonnen unsachgemäß gelagertes Ammoniumnitrat in die Luft gingen. Die gigantische Druckwelle ließ in ganz Beirut Hunderttausende Glasscheiben zerbersten und Häuser einstürzen.

Eine Art Jeanne d'Arc Statue - Street Art am Hafen von Beirut, Libanon © NDR Foto: Franziska Amler
Ein Blick auf den Hafen von Beirut - davor eine Statue einer Art Jeanne d'Arc mit erhobenem Schwert.

Die Szenen sind immer noch allgegenwärtig. Mehr als 200 Menschen hat die Explosion getötet, über 6.000 verletzt, 300.000 verloren ihr Zuhause. Auch wenn viele der im August zerstörten Cafés und Restaurants längst wieder Gäste bedienen, ist die Leichtigkeit und das besondere Funkeln raus aus der Stadt. Zu groß sind die beigefügten Wunden.

Heute sieht man an vielen Geschäften nur noch Transparente mit Durchhalteparolen. Viele Beirutis wollen aber einfach nicht mehr, obwohl sie schon unzählige Krisen gemeistert haben. Aber wie soll es weitergehen? Haben die Menschen noch einmal die Kraft, wieder aufzustehen und neu anzufangen? Franziska Amler hat für uns Beirut besucht und den Menschen genau diese Fragen gestellt.

Musik in der Sendung

Fairuz: Li Beirut
Rachid Taha: Ya Raye
Sabah: Allo Bayrout

Weitere Informationen
Eine libanesische Flagge weht in der Nähe der Stelle, an der eine massive Explosion den Hafen von Beirut in die Luft sprengte. © Picture Alliance Foto: Marwan Naamani
23 Min

Bloß weg aus dem Libanon

Im "Echo der Welt": Hoffnungslosigkeit im Libanon: Geschichten aus einem zerstörten Land | Filmstars mit Hörnern in Kalifornien 23 Min

Junge Männer protestieren im Libanon. © dpa  picture alliance Foto: Mikhail Alaeddin
24 Min

Aufstand gegen die Machthaber – Umbruch im Nahen Osten

In vielen Ländern des Nahen Ostens setzen Bürgerproteste die Regierungen unter Druck. ARD- Korrespondenten diskutieren mit Wissenschaftlern 24 Min

Gift-Warnschild © dpa Foto: Uwe Zucchi

Chemieabfälle aus dem Libanon kommen nach Wilhelmshaven

Die Abfälle stammen von einer Explosion in Beirut und treffen zunächst im Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven ein. mehr

Zerstörte Gebäude in Hafennähe in Beirut. © Nura El-Ghandour Foto: Nura El-Ghandour

Kieler Studentin hilft in Beirut Menschen in Not

Die 28-jährige Nura El-Ghandour aus Kiel ist seit einigen Tagen in Beirut, der früheren Heimat ihrer Eltern. Mit Herzblut hilft sie den Menschen, die durch die Explosion ihr Zuhause verloren haben. mehr

Mehr Nachrichten

Ein leeres Klassenzimmer mit hochgestellten Stühlen und offenem Fenster. © picture alliance Foto: Frank May

Hamburgs Schulen starten ab morgen in den Wechselunterricht

Durch die Pandemie gab es in Hamburg nur eingeschränkt Unterricht. Mit dem Wochenstart werden die Auflagen gelockert. mehr