Stand: 05.08.2020 12:52 Uhr

Wo konsumieren wir politische Informationen? 

Politische Informationen werden zunehmend über soziale Medien konsumiert. Dort jedoch liegen seriöse Meldung und heilloser Schwachsinn häufig nur wenige Klicks voneinander entfernt. Das erfordert hohe Medienkompetenz. Sind wir dafür schon gerüstet? Und welche Folgen hat all das für die politische Meinungsbildung und den gesellschaftlichen Diskurs?

Von Kathrin Schmid

Soziale Medien werden für den Nachrichtenkonsum immer bedeutender – das geht aus dem aktuellen Digital News Report hervor. Demnach sagen rund 30 Prozent der jungen Erwachsenen (18-24 Jahre), Facebook, Instagram, WhatsApp und YouTube seien ihre wichtigsten Nachrichtenquellen. 

Rauschen im Blätterwald: Die Schlagzeilen der Tagespresse zum Weltrekord von Usain Bolt. © dpa Foto: Arno Burgi

AUDIO: Serie "Die Blendung", Teil 5: Medienkonsum und politische Meinungsbildung (4 Min)

Kaum Fragen nach Seriösität einer Quelle

Fragen wie "Woher stammt eine Information? Wie seriös ist die Quelle? Was ist redaktionell geprüfte Nachricht, was ist bloße Kampagne?" treten dabei schon mal in den Hintergrund, beschreibt Cornelius Puschmann, Medienwissenschaftler an der Uni Bremen: "Der Anteil der Personen, die sagen, sie haben bestimmte Dinge bei Facebook gelesen oder auf YouTube gesehen, ohne nähere Zuordnung, ist relativ hoch. Das ist nicht zu unterschätzen: Menschen treten durch das, was sie liken und teilen und das, was ihre Freunde und Bekannte ihnen schicken, mit Inhalten in Kontakt, von denen sie nicht wissen, woher sie kommen."

Alternative Medien zunehmend im Social-Media-Nachrichtenstrom

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Zunehmend mischen sich in den Nachrichtenstrom der Social Media-Plattformen auch Inhalte alternativer Medien - etwa Content von Breitbart, PI-News und RT Deutsch. Vor allem im Zuge der Corona-Pandemie haben einige YouTube-Kanäle, etwa "Wissensmanufaktur", mit alternativen Einschätzungen und heftiger Kritik an der Corona-Politik enorme Reichweitenzuwächse erlebt. 

Marginalisierung verlangt nach Gegenöffentlichkeit

Eines haben die alternativen Medienangebote gemeinsam, beschreibt Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen: "Sie fühlen sich und ihre Haltung in irgendeiner Art und Weise marginalisiert. Man glaubt, dass die eigenen Themen nicht durchkommen, sich nicht durchsetzen. Also muss man alternative Medien gründen, um die eigenen Ideen publik machen zu können, um eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen und um zu mobilisieren."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 07.08.2020 | 08:08 Uhr

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