Sendedatum: 06.01.2020 06:41 Uhr

Wie grün sind die Zentralbanken?

Was passiert mit unserem Geld und wie können wir es anlegen, damit es nachhaltig wirkt - für mehr Umweltschutz, besseres Klima oder auch eine friedlichere Welt? Das ist unser Thema in dieser Woche in unserer Serie "Geld wirkt". Denn nachhaltig Geld anlegen ist schon lange nicht mehr nur Sache von Aktivisten oder Umweltschutz-Organisationen - sondern auch für Zentralbanken, wie zum Beispiel die Bundesbank.

von Verena von Ondarza, Wirtschaftsredaktion

Bundesbank-Vorständin Sabine Mauderer © Deutsche Bundesbank Foto: Deutsche Bundesbank
"Naturkatastrophen können eine konkrete Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems sein", warnt Bundesbank-Vorständin Sabine Mauderer.

Die Bundesbank mache keine Umweltpolitik, das stellt Vorständin Sabine Mauderer gleich zu Beginn des Gesprächs mit NDR Info klar. Aber die Bundesbank identifiziere Risiken für den Finanzmarkt und der Klimawandel sei eine sehr konkrete Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems, warnt sie: "Es sind die physischen Risiken, die entstehen, wenn Waldbrände, Überschwemmungen, Fluten oder Trockenheit Vermögenswerte in sehr, sehr großem Umfang vernichten. Das ist sehr greifbar."

Unternehmen müssen sich rechtzeitig wandeln

Diese Risiken seien von den Akteuren am Finanzmarkt noch nicht ausreichend eingepreist. In künftigen Bankenstresstests sollen genau diese Szenarien deshalb eine deutlich größere Rolle spielen, erklärt Maurer: "Das viel größere Risiko besteht darin, wenn sich Unternehmen nicht rechtzeitig wandeln und politische Entscheidungen sehr lange aufgeschoben werden. Und dann in massiver Intensität auftreten und somit Geschäftsmodelle von Unternehmen, vielleicht ganze Industrien massiv betroffen sein werden."

Ganzen Industrien könnten Geschäftsmodelle entzogen werden

Das heißt, wenn nach einem Klima-Schock die Politik plötzlich und scharf reguliert, könnte ganzen Industrien das Geschäftsmodell entzogen werden. Die Autoindustrie, die Ölindustrie, die chemische Industrie sind alles Bereiche, die zu den Grundlagen unseres Alltags gehören. Brechen sie zusammen, wäre eine Kettenreaktion mit drastischen Auswirkungen auf den Finanzmarkt die Folge.

Banken und Sparkassen haben große Verantwortung

Dabei hat die Politik der Finanzwirtschaft beim Weltverbessern eigentlich eine große Rolle zugeschrieben. Allen voran beim Umweltschutz. Im Pariser Klima-Abkommen hat die Staatengemeinschaft beschlossen, die Finanzflüsse im Sinne des Klimaschutzes zu gestalten. Die EU hat das inzwischen präzisiert: 180 Milliarden Euro jährlich sollen über die Finanzmärkte in klimafreundliche Investitionen und Technologien umgeleitet werden. Auch die Bundesbank sieht die Banken in der Verantwortung: "Bankinstitute und Sparkassen können mit ihrer Kreditvergabe sehr genau steuern, welchen Unternehmen sie Finanzierungsmittel zukommen lassen. Das heißt sie haben eine sehr große Lenkungswirkung und damit auch eine große Verantwortung."

Nur Commerzbank verzichtet auf Kohlekraftwerke

Noch allerdings kann von einer Umleitung keine Rede sein. Auf Anfrage von NDR Info bei den vier größten Bankhäusern gab nur die Commerzbank an, grundsätzlich zum Beispiel keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu finanzieren. Alle anderen Institute haben für ihr allgemeines Geschäft keine klimarelevanten Vorgaben - ginge es nach Sabine Mauderer, müsse sich das schnell ändern.

Weitere Informationen
Windräder mit dahinterliegendem Kohlekraftwerk © photocase.de Foto: birdys

Grüne Geldanlagen: Investieren gegen den Klimawandel

Nicht nur die Politik kann etwas tun gegen den Klimawandel - auch die Finanzmärkte können durch klimafreundliche Geldanlagen erheblichen Einfluss nehmen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 06.01.2020 | 06:41 Uhr

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