Was bedeutet "Schätzung ohne Meldeverzug"?

Das Robert Koch-Institut (RKI) zeigt auf der Landkreiskarte seines öffentlich zugänglichen Dashboards die 7-Tage-Inzidenz zum sogenannte Meldedatum an. Das ist der Tag, an dem eine Infektion den örtlichen Behörden in einer Stadt oder in einem Landkreis bekannt wurde. Allerdings sind diese Zahlen im RKI-Dashboard meistens zu niedrig. Denn es braucht Zeit (etwa drei Tage) bis alle Meldedaten von den Ämtern zum RKI gelangen. Erst nach drei, vier Tagen würde die RKI-Karte die annähernd korrekten Zahlen anzeigen, weil die nachgemeldeten Zahlen dann in der Regel alle da sind. Doch in der RKI-Karte vom aktuellen Tag können Nachmeldungen nie enthalten sein. Daher versuchen wir zu schätzen, wie hoch die Sieben-Tage-Inzidenz nach Eingang aller Nachmeldungen voraussichtlich sein wird.

Gleiche Daten, anders sortiert

Für diese Schätzung nutzen wir ebenfalls die Angaben der tägliche Neuinfektionen beim RKI. Doch wir addieren sie nicht über die letzten sieben Tage nach dem Meldedatum in den lokalen Behörden. Stattdessen zählen wir die Neuinfektionen der letzten sieben Tage zusammen, direkt nachdem sie am RKI eingetroffen sind - noch bevor sie einem möglicherweise deutlich davor liegenden Meldetag zugeordnet wurden. Wir zählen also nach dem sogenannten Berichtsdatum.

Die so berechnete Sieben-Tage-Inzidenz geben wir als "Schätzung ohne Meldeverzug" in unserer Inzidenz-Landkreiskarte an. Sie ist höher als der RKI-Wert, wenn ein Landkreis in den letzten sieben Tagen viele alte Fälle nachgemeldet hat. Sie kann aber auch niedriger sein als der RKI-Wert, nämlich dann, wenn ein Landkreis in den letzten sieben Tagen viele Korrekturen älterer Fälle ans RKI gemeldet hat, also Fälle im Nachhinein wieder abgezogen wurden. Das kann zum Beispiel dann passieren, wenn Fälle doch einem anderen Landkreis zuzuordnen waren.

Schätzung nahe an endgültigen RKI-Werten

Hat ein Landkreis in der vergangenen Woche mehr Korrekturen als neue Fälle an das RKI gemeldet, kann die Inzidenz nach Berichtsdatum rein rechnerisch sogar negative Werte annehmen. Da negative Inzidenzen in der Realität jedoch nicht auftreten können, zeigen wir auf unserer Landkarte in diesen Fällen seit dem 3. Juni in eine geschätzte Inzidenz von Null.

Unsere Analysen haben ergeben, dass die so berechneten Inzidenzzahlen den tatsächlichen Pandemieverlauf sogar besser wiedergeben als kompliziertere statistische Methoden, die versuchen, den Meldeverzug "wegzurechnen", indem sie berücksichtigen, mit welcher Verspätung die Daten in den vorherigen Wochen geliefert wurden. Die NDR-Zahlen nach Berichtsdatum liegen deutlich näher am Verlauf der endgültigen Neuinfektionskurve, die sich nach allen Nachmeldungen ergibt, als die Werte im RKI-Dashboard.

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