Stand: 22.10.2019 18:52 Uhr

Trecker-Demos: Landwirte blockieren Innenstädte

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In Hannover fuhren die Trecker auch am Neuen Rathaus vorbei.

Hupende Trecker in kilometerlangen Konvois und kein Durchkommen mehr für Auto- und Busfahrer: Tausende Landwirte haben am Dienstag in zahlreichen norddeutschen Innenstädten den Verkehr lahmgelegt. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich deutlich mehr Bauern als zunächst erwartet an den Protesten. Allein nach Hannover fuhren rund 2.000 Traktoren sternförmig in die Innenstadt. Bereits in den Morgenstunden waren deshalb rund um den Maschsee diverse Straßen gesperrt worden. Die Landwirte stellten ihre Fahrzeuge im Bereich des Rudolf-von-Bennigsen-Ufers ab, wo am Mittag eine einstündige Kundgebung stattfand. Wie die Polizei bekanntgab, wurden die Sperrungen am Nachmittag nach Abreise der Trecker wieder aufgehoben.

Eine Kolonne von Traktoren während der Proteste.

Landwirte protestieren gegen Agrarreform

Hallo Niedersachsen -

Tausende Landwirte sorgen im Norden mit Trecker-Demos für Verkehrsbehinderungen. Auch in Oldenburg und Hannover haben sie gegen das Agrarpaket des Bundes protestiert.

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Kundgebung in Hannover

Die Landwirte protestieren unter anderem gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Bei einer Kundgebung in Hannover sprachen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Umweltminister Olaf Lies (SPD) zu den Demonstranten. "Wir werden nicht ohne Veränderungen auskommen", sagte Lies. "Wir wollen Sie nicht alleine verantwortlich machen." Für mich ist die heutige Demo ein Weckruf an Politik und Gesellschaft", sagte Otte-Kinast. Die Angst der Bauern sei verständlich. Allerdings liege die Lösung in Sachen Klimaschutz auf den Höfen der Bauern. Aufgerufen zu dem bundesweiten Aktionstag hat das Netzwerk "Land schafft Verbindung"; eine zentrale Kundgebung gab es in Bonn.

Bauern-Protest auf Norddeutschlands Straßen

Sternfahrt nach Rendsburg

Niedersachsen war norddeutscher Schwerpunkt des Aktionstages. Aber auch in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein machten sich Landwirte in die Innenstädte auf. In Schleswig-Holstein war eine Kundgebung in Rendsburg das Ziel einer landesweiten Sternfahrt. Besonders der Rendsburger Kanaltunnel erwies sich als Nadelöhr mit langen Wartezeiten.

In Hamburg stoppen Trecker die U3

In der Hansestadt Hamburg gab es am Vormittag ebenfalls Proteste. Dort rollten rund 500 Traktoren unter anderem über die Mönckebergstraße. Zeitweise musste deshalb sogar der Verkehr der U-Bahn-Linie 3 eingestellt werden. Die Hochbahn hatte wegen des enormen Gewichts der landwirtschaftlichen Nutzfahrzeuge Alarm geschlagen. Die U3 verläuft direkt unter der Mönckebergstraße in Richtung Rathaus. Die Landwirte waren in drei Sternfahrten aus Elmshorn, Jersbek und Brunstorf in Richtung Hamburg aufgebrochen.

 

Trecker-Treffen im Rostocker Stadthafen

In Rostock trafen bis zum späten Vormittag rund 300 Traktoren aus Mecklenburg-Vorpommern ein. Die Fahrer machten sich zu einer Sternfahrt zum Rostocker Stadthafen auf. Dabei kam es laut Polizei zu Verkehrsbehinderungen. "Wir Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern empfinden sowohl das Agrarpaket als auch das Vorgehen der Minister als einen Schlag ins Gesicht", sagte Kathrin Naumann, Sprecherin der Bewegung in Mecklenburg-Vorpommern im Vorfeld.

Mehrere Treffpunkte in der Region Hannover

In der Region Hannover und dem Landkreis Hildesheim waren die Landwirte am Morgen von Sammelpunkten in Bissendorf, Burgdorf, Sehnde, Wennigsen, Everloh und Garbsen aufgebrochen. Laut Polizei ging es über die großen Einfallstraßen in Richtung Landeshauptstadt. Die Verkehrsbeeinträchtigungen seien trotz der kurzfristig angestiegenen Zahl der Trecker im erwarteten Rahmen geblieben, so ein Sprecher.

Kommentar

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Polizei stoppt Trecker an der A28

Im Raum Oldenburg zählte die Polizei mehr als 1.200 Trecker. Ein Konvoi auf einer Bundestraße erreichte eine Länge von 15 Kilometern. Nach Angaben eines Sprechers versuchten mehrere Traktorfahrer, bei Leer auf die Autobahn 28 aufzufahren. Die Beamten konnten dies verhindern, indem sie die Auffahrt für Trecker sperrten. Auf Autobahnen dürfen grundsätzlich nur Fahrzeuge fahren, deren Höchstgeschwindigkeit mehr als 60 Kilometer pro Stunde beträgt.

Landwirte aus dem Emsland fahren nach Bonn

Im Nordosten Niedersachsens beteiligten sich rund 900 Traktoren an den Protesten. 350 von ihnen blockierten am Mittag die Innenstadt von Lüneburg. Ebenfalls betroffen sind Uelzen, Lüchow und Dannenberg. Im Emsland, der Grafschaft Bentheim und dem Osnabrücker Land machten sich Landwirte auf den Weg zur zentralen Kundgebung nach Bonn, wo am Dienstagmittag rund 10.000 Menschen demonstrierten. Rund 300 Bauern hatten sich nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen für den Konvoi angemeldet. In der ehemaligen Bundeshauptstadt befindet sich wie in Berlin ein Sitz des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Landwirte wehren sich gegen Düngeregeln

Die Landwirte sehen sich aktuell mehreren Herausforderungen gegenüber: Das Agrarpaket gefährde die deutsche Landwirtschaft, sagte Schulz-Broers vom Netzwerk "Land schafft Verbindung". Viele Landwirte fürchteten, dass sie aufgrund der neuen Regeln ihren Betrieb aufgeben müssten. Zudem sorgten sie sich darum, dass die Pflanzen aufgrund der neuen Düngeregeln unterversorgt werden könnten. Auch den Aktionsplan Insektenschutz von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sehen die Landwirte kritisch, da er ebenfalls strengere Regeln für das Düngen vorsieht. Obendrein hätten die Bauern durch drei Jahre extremen Wetters wirtschaftliche Einbußen einstecken müssen. Als unfaire Konkurrenz empfinden sie zudem ein EU-Abkommen mit dem südamerikanischen Binnenmarkt Mercosur: Dadurch kämen billige Agrarprodukte ins Land, die mit weniger Auflagen als hierzulande produziert würden. Außerdem seien die Bauern frustriert, weil sie häufig an den Pranger gestellt und auch ihre Angehörigen immer häufiger gemobbt würden.

Organisatoren starteten als Facebook-Gruppe

Das Netzwerk "Land schafft Verbindung" hat sich aus einer Facebook-Gruppe entwickelt und laut Angaben auf seiner Webseite bereits 30.000 Mitglieder. Weil die Landwirtschaftsverbände bislang zu wenig ausgerichtet hätten, wollten die Bauern jetzt die Sache selbst in die Hand nehmen, heißt es. "Wir möchten, dass die Politik und Verbände mit uns als Basis sprechen", sagte Meike Schulz-Broers von dem Netzwerk."

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 22.10.2019 | 19:30 Uhr

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