Stand: 10.02.2020 09:00 Uhr

Sturm "Sabine" sorgt für viele Rettungseinsätze

Barmstedt: Ein von Orkanböen des Sturmtiefs "Sabine" umgewehter Baum liegt auf der Bahnstrecke Hennstedt-Ulzburg - Elmshorn vor einem Zug der AKN Eisenbahn © dpa/Florian Sprenger/Westküsten-News
"Sabine" legt den Bahnverkehr lahm: Wie auf der Bahnstrecke Hennstedt-Ulzburg - Elmshorn lagen auf zahlreichen Gleisen im ganzen Norden Äste und Bäume.

Das Sturmtief "Sabine" ist am Abend und in der Nacht mit starken Böen und großen Regenmengen über den Norden hinweggefegt. Jetzt verlagert es sich in Richtung Süddeutschland. Von den Küsten bis zum Harz galten bis in die Nacht Unwetterwarnungen des DWD, die heute früh aufgehoben wurden. Bislang gibt es keine Meldungen über ernsthaft Verletzte, es wird aber eindringlich vor der andauernden Gefahr des Sturms gewarnt.

Am Morgen müssen sich auch Pendler noch auf größere Behinderungen einstellen. Betroffen ist vor allem der Bahnverkehr. Die Deutsche Bahn stellte am Sonntagnachmittag bundesweit den Fernverkehr ein. Gestrandete Fernreisende hatten die Nacht teils in bereitgestellten Zügen auf größeren Bahnhöfen verbringen müssen. Am Abend hieß es, dass die Strecken frühestens heute ab 10 Uhr nach und nach freigegeben würden. Störungen werden aber noch den ganzen Tag über erwartet.

Die meisten Regionalbahnen hätten den Betrieb, den sie am Sonntag eingestellt hatten, bereits wieder aufgenommen, führen allerdings noch langsamer, sagte am Morgen eine Sprecherin. Auf einzelnen Strecken gibt es auch noch Probleme mit blockierten Gleisen. Im Flug- und Fährverkehr kommt es heute ebenfalls noch zu Ausfällen und Beeinträchtigungen.

Mehrere Schulen bleiben geschlossen

In mehreren Kommunen fällt heute wegen des Sturmtiefs auch der Schulunterricht aus. Betroffen ist vor allem Niedersachsen, dort unter anderem an Schulen in den Landkreisen Goslar, Leer, Verden und Delmenhorst.

Über die aktuelle Lage auf den Straßen informiert das NDR Verkehrsstudio. Dort finden Sie auch alle Informationen über Schulausfälle in Norddeutschland. Auch die Radiowellen NDR Info, NDR 2 und N-JOY und die Landesprogramme halten Sie über die neuesten Entwicklungen zum Sturmtief "Sabine" auf dem Laufenden.

Hunderte Einsätze für die Feuerwehren im Norden

"Sabine" brachte starke Böen von mehr als 130 km/h und kräftige Regenschauer in den Norden. Das führte bislang zu zahlreichen Verkehrsbehinderungen, Feuerwehreinsätzen und auch Stromausfällen. In Niedersachsen sind die Sturmschäden nach ersten Erkenntnissen geringer ausgefallen als erwartet. "Auch wenn wir viele Einsätze gefahren sind, ist am Ende doch weniger passiert als erwartet", sagte ein Sprecher der Polizei Hannover. Insgesamt gab es in Niedersachsen bis zum frühen Morgen rund 1.000 Rettungseinsätze. In den meisten Fällen ging es um umgestürzte Bäume, herumfliegende Dachziegel und Verkleidungen.

In Hamburg rückte die Feuerwehr bisher zu mehr als 300 sturmbedingten Einsätzen aus. Nach Mitternacht wurde es deutlich ruhiger. In den Stadtteilen Blankenese und Lurup stürzten Bäume auf Häuser. Die U- und S-Bahnstrecken in der Hansestadt sind aktuell alle wieder frei und befahrbar. 

Evakuierung in Pinneberg

Polizisten während der Evakuierung in einer Neubausiedlung in Pinneberg. Im Hintergrund ein Kran, der umzukippen drohte. © dpa Foto: Daniel Bockwoldt
In Pinneberg drohte ein Kran umzukippen.

In Pinneberg in Schleswig-Holstein drohte am Sonntagabend ein Baukran in einem Neubaugebiet wegen des starken Windes umzukippen. Aus Sicherheitsgründen evakuierte die Feuerwehr mehrere Gebäude in der Nähe. Etwa 120 Anwohner waren betroffen. In ganz Schleswig-Holstein wurden bis zum Morgen nach Angaben der Leitstellen im Land rund 1.000 Einsätze gefahren, wie NDR 1 Welle Nord berichtet.

In Westmecklenburg und im Landkreis Ludwigslust-Parchim waren insgesamt mehr als 3.000 Menschen zeitweise von der Stromversorgung abgeschnitten, weil Äste in Stromleitungen gestürzt waren. Zum Teil wurden auch Hausdächer abgedeckt. In Mecklenburg-Vorpommern zählten Feuerwehr und Polizei bis jetzt insgesamt mehr als 400 Einsätze.

Köhlbrandbrücke in Hamburg vorübergehend gesperrt

Bei Salzbergen im Emsland fuhr ein Intercity-Zug in einen umgestürzten Baum. In dem IC von Amsterdam nach Berlin saßen etwa 300 Reisende, wie die Deutsche Bahn mitteilte. In Hamburg war auch der U-Bahn-Verkehr vom Sturm betroffen. Dort stürzten Bäume auf mehrere U-Bahnstrecken. Auch die Köhlbrandbrücke musste in der Nacht vorübergehend gesperrt werden.

Auf der B436 bei Leer wurde die Jann-Berghaus-Brücke in beiden Richtungen wegen Sturmschäden gesperrt. Technische Probleme gab es zudem am Wesertunnel an der B437. Auch mehrere Autobahnen waren betroffen: So sorgten umgestürzte Bäume auf der A1, A7, A27 und A39 für kurzfristige Sperrungen und Behinderungen.

Deutsche Bahn rät von Reisen ab

Die Deutsche Bahn (DB) empfiehlt, geplante Reisen bis einschließlich Dienstag zu verschieben. Im Regional- und Fernverkehr sei mit erheblichen Beeinträchtigungen insbesondere im Norden und Westen Deutschlands zu rechnen. Kunden könnten ihre Tickets stornieren oder umtauschen.

Doch auch das Auto sollten Reisende lieber stehen lassen. Die Polizei rät: "Wer nicht unterwegs sein muss, bleibt am besten im Haus und macht es sich gemütlich." Wer dennoch fahren müsse, sollte mehr Zeit einplanen, langsam fahren und sich auf blockierte Straßen einstellen, rät der ADAC.

Links
Eine Anzeigetafel am Hauptbahnhof Oldenburg warnt vor Beeinträchtigungen durch Unwetter. © dpa

Tagesschau-Liveblog zum Sturmtief "Sabine"

Sturmböen mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde: Sturmtief "Sabine" hat sich über Deutschland ausgebreitet. Die Entwicklung im Liveblog von tagesschau.de. extern

Flugausfälle im Norden

Am Hamburger Flughafen fallen auch heute Dutzende Flüge aus. Laut Airport sind jeweils mehr als 40 Ankünfte und Abflüge gestrichen. Weitere Streichungen und Verspätungen könnten hinzukommen, hieß es auf der Homepage des Airports. Wer einen Flug gebucht habe, sollte sich vor Reise-Antritt im Internet informieren.

Bereits am Sonntag waren mehr als 50 Flüge gestrichen worden. Betroffen waren vor allem Inlandsverbindungen der Lufthansa. Auch an den Flughäfen Hannover und Bremen blieben Flieger am Boden oder kamen nicht an. Eurowings sagte fast alle Flüge für die Dauer des Sturmtiefs ab. Die Lufthansa-Tochter hofft, den Flugbetrieb heute wieder aufzunehmen. 

Genaue Informationen über Abflüge und Landungen an norddeutschen Flughäfen finden Sie im NDR Text ab Seite 700.

Vorhersage
Blick auf die Außenalster bei diesigem Wetter © NDR Foto: Eduard Valentin

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Sturmflutwarnung für die Nordseeküste

Der DWD gab eine Sturmflut-Warnung heraus, die bis heute Abend gegen 17.30 Uhr gilt. Demnach werden das Nachmittags-Hochwasser an Nordseeküste und in Emden sowie das Abend-Hochwasser in Bremen und Hamburg 1,5 bis 2 Meter höher als das mittlere Hochwasser eintreten. Am Hamburger Fischmarkt könnte demnach wieder "Land unter" angesagt sein. Bis Mittwoch könnten weitere Sturmfluten folgen.

In Schleswig-Holstein und Hamburg hält heute das stürmische Wetter an. Die Meteorologen erwarten vor allem an der Küste schwere Sturmböen und vereinzelt orkanartige Böen aus westlicher Richtung.

Reedereien streichen Fährfahrten

Die Reederei Cassen Eils gab bekannt, dass es heute keinerlei Fahrten von Cuxhaven nach Helgoland und zurück gibt mit der MS "Helgoland". Auch die Wyker Dampfschiffs-Reederei weist auf Fahrplanänderungen und Ausfälle hin. Die Fähren zu den nordfriesischen Inseln und den Halligen sowie zu den ostfriesischen Inseln Borkum, Norderney, Spiekeroog und Juist fahren nach Angaben der Reedereien wieder. Die Fährverbindungen nach Wangerooge, Baltrum, Langeoog und Helgoland sind aber noch gestört. Der Sylt Shuttle und der "Blaue Autozug Sylt" pendeln wieder.

Die Fährreederei Scandlines hatte mehrere für Sonntag geplante Fahrten über die Ostsee abgesagt. Betroffen war die Verbindung Rostock-Gedser. Seit 1.30 Uhr läuft auf dieser Strecke aber alles wieder planmäßig, heißt es.

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Ein umgestürzter Baum liegt in Hamburg auf einem Auto. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Bockwoldt

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NDR Info | Nachrichten | 10.02.2020 | 05:00 Uhr

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