Stand: 26.07.2019 11:05 Uhr

Was Sie über die Seenotrettung in Nord- und Ostsee wissen müssen

Rotes Hansekreuz auf weißem Grund - das Logo der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

Am 28. Juli begeht die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) den Tag der Seenotretter. Jedes Jahr am letzten Sonntag im Juli präsentieren die Einsatzkräfte auf zahlreichen Stationen an Nord- und Ostsee ihr Vorgehen und ihre Rettungstechnik. Was genau tun Seenotretter? Wie groß ist die Flotte? Wie kann man einen Beitrag zu dieser gemeinnützigen Arbeit leisten?

Was ist die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger?

Die DGzRS ist eine gemeinnützige, nichtstaatliche Seenotrettungsorganisation, die den Such- und Rettungsdienst (Search and Rescue/SAR) im deutschen Teil der Nord- und Ostsee im hoheitlichen Auftrag der Bundesrepublik koordiniert.

Seit wann gibt es die Seenotretter?

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wurde am 29. Mai 1865 in Kiel gegründet mit dem Ziel, Menschen aus Seenot zu retten. Als Sitz der Seenotrettungsorganisation wurde Bremen bestimmt. Der Ursprung eines koordinierten Rettungsdienstes an Nord- und Ostsee geht auf das Jahr 1860 zurück, als nach schweren Schiffsunglücken an der Nordseeküste ein Seenotrettungswerk auf privater Basis ins Leben gerufen wurde.

Für welche Gewässer ist die DGzRS zuständig?

Die DGzRS ist für die deutschen Gebiete in der Nord- und Ostsee zuständig. In Zusammenarbeit mit Schwesterorganisationen werden aber auch grenzüberschreitende Einsätze gefahren. Die Seenotleitung in Bremen koordiniert zudem weltweit Notfälle, bei denen deutsche Seeleute beteiligt sind.

Wie viele Stationen gibt es an den Küsten?

Derzeit sind 55 Stationen entlang der deutschen Küsten und auf den Inseln in Betrieb, die westlichste ist Borkum, die östlichste Ueckermünde.

Wie groß ist die Flotte?

Die Rettungsflotte der DGzRS zählt zu den modernsten und leistungsfähigsten der Welt, ihr gehören 20 Seenotrettungskreuzer (bis 46 Meter lang) und 40 Seenotrettungsboote (bis 7 Meter lang) an. Die Schiffe sind speziell für den Rettungsdienst entwickelt und aus Aluminium gebaut, was höhere Geschwindigkeiten erlaubt. Wenn sie kentern, richten sie sich selbst wieder auf, allerdings sind sie nicht unsinkbar. Benannt werden die Schiffe nach Seenotrettern, die im Einsatz ums Leben gekommen sind, nach Förderern oder Städten.

Wer rettet?

Im Rettungsdienst sind neben 180 fest angestellten etwa 800 freiwillige Seenotretter tätig. Die Festangestellten sind ausnahmslos Männer, fast alle Inhaber eines nautischen oder technischen Patents. Dass bislang keine Frauen unter den Festangestellten sind, liegt laut DGzRS daran, dass die Seefahrt traditionell männlich geprägt ist. Ein Wandel vollziehe sich nur langsam. Zumindest unter den freiwilligen Seenotrettern gibt es Frauen - derzeit etwa 35. An Land engagieren sich zudem 550 Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich für die DGzRS.

Wer wird gerettet?

Schiffbrüchige aus Seenot, Menschen aus Lebensgefahr. Zu den Aufgaben der DGzRS gehört es auch, drohende Not- und Unglücksfälle durch ein rechtzeitiges Eingreifen zu verhindern sowie Kranke und Verletzte medizinisch erstzuversorgen und sie an Land zu bringen. Mehr als die Hälfte der DGzRS-Einsätze geht nach Angaben der Gesellschaft auf das "Konto" von Wassersportlern.

Wie oft rücken die Seenotretter aus?

Seit Gründung der DGzRS 1865 haben ihre Besatzungen etwa 85.000 Menschen gerettet. Im Jahr 2018 wurden bei 2.156 Einsätzen auf Nord- und Ostsee 356 Menschen aus Seenot oder Gefahr gerettet.

Wie finanziert sich die Gesellschaft?

Zur Wahrung ihrer Unabhängigkeit beansprucht die DGzRS keinerlei staatliche Mittel. Die gesamte Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch freiwillige Beiträge und Spenden finanziert. Der finanzielle Aufwand belief sich nach Angaben der Organisation im Jahr 2018 auf 42,5 Millionen Euro. Etwa 85 Prozent wurden für den Rettungsdienst, für Schiffsneubauten und Reparaturen verwendet.

Wie kann man spenden?

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Ein Sammelschiffchen der DGzRS für Kleinspenden.

Auf das Spendenkonto der DGzRS:

Sparkasse Bremen
IBAN: DE36 2905 0101 0001 0720 16
BIC: SBREDE22

Auf der Website gibt es auch einen Spendenlotsen, der anzeigt, wie viel zum Beispiel ein neuer Rettungsring kostet. Zudem kursieren die berühmten Sammelschiffchen für kleinere Spenden - 14.000 Stück stehen an gut besuchten Orten an der Küste und auf vielen Fähren zwischen Festland und den Inseln.

Wie gefährlich sind Einsätze für die Seenotretter?

Seit Gründung 1865 sind 45 Rettungsmänner im Einsatz gestorben, die meisten in der Anfangszeit der DGzRS, als die Retter noch in offenen Ruderrettungsbooten unterwegs waren. Ein folgenreiches Unglück geschah 1969 vor Helgoland. Der Seenotkreuzer "Adolph Bermpohl" geriet im Orkan selbst in Seenot. Die vierköpfige Besatzung und drei zuvor gerettete niederländische Fischer kamen ums Leben. In der Orkannacht vom 1. auf den 2. Januar 1995 starben zwei von vier Rettern, als sie bei der Rückkehr von einem Einsatz mit dem Seenotkreuzer "Alfried Krupp" westlich von Borkum von einer Grundsee (steile Wellen in flachen Gewässern) erfasst wurden.
Grundsätzlich gilt: Kein Seenotretter kann angesichts der Gefahr für das eigene Leben zum Einsatz befohlen werden. Um andere zu retten, setzen die Seeleute ihr Leben dennoch häufig genug aufs Spiel. Seenotretter sind rund um die Uhr und bei Wind und Wetter im Einsatz. Sie gelten gemeinhin als wortkarg. Ihr Motto: retten statt reden.

Wie werden die Einsätze koordiniert?

Von der Seenotleitung in Bremen. Sie ist rund um die Uhr erreichbar unter Telefon 0421-53 68 70. Ein Notruf kann auch über BREMEN RESCUE RADIO (Rufname: Bremen Rescue) auf UKW-Kanal 16 und 70 (DSC), 2187,5 kHz (Grenzwelle, DSC) abgesetzt werden. Im sogenannten Maritime Rescue Co-ordination Centre (MRCC) laufen die Alarmierungen auf, werden Such- und Rettungsmaßnahmen initiiert, koordiniert und wieder beendet.

Beteiligt sich die DGzRS an der Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer?

Die DGzRS ist der maritime Such- und Rettungsdienst an Nord- und Ostsee. Außerhalb ihres festgelegten Einsatzgebietes war die DGzRS bislang nur einmal in einem zeitlich begrenzten Einsatz tätig: auf Bitten der griechischen Küstenwache von März bis Juni 2016 gemeinsam mit anderen europäischen Schwesterorganisationen in der Ägäis. Der Einsatz wurde von der International Maritime Rescue Federation (IMRF) initiiert. Sie bildete griechische Kollegen aus und unterstützte sie bei der Rettung von Flüchtlingen.

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Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) mit Sitz in Bremen. extern

War die DGzRS bis heute durchgängig aktiv?

Ja. Selbst während des Zweiten Weltkriegs war die Rettungsflotte der DGzRS für "Freund und Feind" im Einsatz. Die Boote standen unter dem Schutz der Genfer Konvention und waren mit einem roten Kreuz gekennzeichnet. Während der deutschen Teilung hatte die DDR in ihrem Gebiet der Ostsee einen eigenen, staatlichen Seenotrettungsdienst im Einsatz.

Was ist das Erkennungszeichen der DGzRS?

Eine Flagge mit rotem Hansekreuz auf weißem Grund und schwarzem Rand. Um die ständige Einsatzbereitschaft der Rettungsflotte zu dokumentieren, bleibt sie rund um die Uhr gesetzt. Rot und weiß sind nicht nur humanitäre Farben, sondern auch die Farben des Städtebundes Hanse.

Was machen Bo(o)tschafter?

Bo(o)tschafter sind Prominente, die ehrenamtlich für die DGzRS die Werbetrommel rühren. Als Bo(o)tschafter fungierten unter anderem die Schauspieler Uwe Friedrichsen, Otto Sander und Jan Fedder, der Sänger Reinhard Mey, Moderatorin Bettina Tietjen und Werder-Urgestein Thomas Schaaf.

Weitere Informationen

Bei den Seenotrettern in Warnemünde

01.12.2018 18:00 Uhr

Die Seenotkreuzer der DGzRS liegen in vielen Häfen an der Küste. Wer mehr über die Arbeit der Lebensretter wissen möchte, kann sich im Infozentrum in Warnemünde umsehen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 16.01.2019 | 17:15 Uhr

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