Stand: 03.06.2019 17:50 Uhr

SPD-Doppelspitze: Viele Nord-Politiker sind dafür

Die Entscheidung der SPD, die Parteispitze kommissarisch von einer Dreierspitze führen zu lassen, hat im Norden unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Während SPD-Politker Hoffnungen äußerten, die Partei könne sich mit einer Doppelspitze in Ruhe neu aufstellen, wurden außerhalb der Sozialdemokraten Fragen nach dem Kurs der Partei und der Zukunft der Großen Koalition in Berlin laut.

Kommissarische Dreierspitze

Die SPD hatte am Montag beschlossen, vorübergehend die Ministerpräsidentinnen von Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz, Manuela Schwesig und Malu Dreyer, sowie den hessische SPD-Chef Schäfer-Gümbel an ihre Spitze zu setzen. Schwesig und Dreyer kündigten zudem an, die Partei nur für den Übergang bis zur Neuwahl der Parteispitze zu führen und nicht für den Vorsitz zu kandidieren.

Rufe nach Doppelspitze

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Schleswig-Holsteins SPD-Chefin Serpil Midyatli will "keine voreiligen Personalentscheidungen".

Schleswig-Holsteins SPD-Chefin Serpil Midaytli sagte am Montag, die Partei sei mit der Entscheidung auf dem richtigen Weg. "Ich finde die Entscheidung gut, jetzt keine voreiligen Personalentscheidungen zu treffen und mit einem Trio die nächsten Schritte vorzubereiten", sagte Midyatli. Ralf Stegner, Fraktionschef im Landtag und stellvertretender Bundesvorsitzender brachte für die Zukunft eine Doppelspitze ins Spiel, wie NDR Schleswig-Holstein berichtete. "Wir dürfen nicht die Generation sein, die das jetzt versemmelt", sagte Stegner.

Lange plädiert für Urwahl

Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange sprach sich für die Urwahl einer Doppelspitze aus. Sie bleibe bei dem, was sie schon 2018 gesagt habe, sagte Lange am Montag. Die Frage, ob sie erneut kandidieren werde, ließ sie offen. "Es geht nicht um mich." Lange hatte bereits im April 2018 für den SPD-Vorsitz kandidiert. Damals unterlag sie Nahles.

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Auch bundesweit gab es Rufe nach einer Doppelspitze. Unter anderem Bundesaußenminister Heiko Maas sowie sowie Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller plädieren dafür. Müller sagte mit Blick auf die Grünen: "Das ist etwas, womit die anderen offensichtlich ganz gut arbeiten können."

Kommentar

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MV-Vize Sternberg denkt über GroKo-Ende nach

Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Vize Stefan Sternberg äußerte sich zurückhaltend zur Zukunft der Großen Koalition in Berlin. "Wenn wir unsere Ziele umsetzen können, dann sollten wir das Bündnis fortführen, wenn nicht und der Streit weiter anhält, rasch über ein Ende nachdenken".

CDU und FDP warten auf Neuaufstellung

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) äußerte die Hoffnung auf eine Forstetzung des schwarz-roten Bündnisses. Man müsse nun genau beobachten, wie die SPD sich aufstelle, sagte er im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. "Aber bei uns ist die Bereitschaft auch klar: Wir wollen diese Koalition fortsetzen." Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki sagte: "Solange die SPD kein vernünftiges Führungspersonal aufgestellt hat, solange sie nicht weiß, wo sie politisch hin will, wäre ein Austreten aus der Großen Koalition Selbstmord."

Linke und AfD hoffen auf Ende der Regierungskoalition

Die Vorsitzende der Linke-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Simone Oldenburg, hofft hingegen auf ein baldiges Ende der Regirungskoalition. "Solange die SPD sich nicht auf ihre früheren Grundsätze besinnt und den Eiertanz in der großen Koalition in Berlin nicht beendet, wird das nichts", sagte sie am Montag zur Zukunft der Sozialdemokraten. AfD-Landeschef Leif-Erik Holm sagte die Große Koalition in Mecklenburg-Vorpommern beweise, "dass dieses Modell gescheitert ist".

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 03.06.2019 | 10:00 Uhr