Stand: 09.01.2020 21:26 Uhr

Ökofonds: Gefahren für Kleinanleger

Der Klimawandel gilt als eine der größten Bedrohungen unserer Zeit - und er soll aufgehalten werden unter anderem mit Hilfe der Finanzmärkte. Das Geld dafür soll auch von Kleinanlegern kommen. Schon einmal haben "Anleger mit Idealen" der Energiewende den ersten Schub gegeben. NDR Info hat mit ihnen über ihre Erfahrungen gesprochen.

von Verena von Ondarza, NDR Info Wirtschaftsredaktion

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Im Schnitt machten Anleger in regenerative Energien bislang einen Verlust von mehr als 10 Prozent

Rolf Hellebrand ist Umweltinvestor der ersten Stunde. In den 1990er-Jahren beschäftigte er sich in Studium und Diplomarbeit intensiv mit regenerativen Energien und steckte bald sein erstes Geld in Wind- und Solarkraft: "Ich habe mir von 1997 bis 2005 - also über einen Zeitraum von mehreren Jahren - eine ganze Reihe von Beteiligungen in geschlossenen Fonds angesehen. Und dann gemeinsam mit meiner Frau ungefähr ein Dutzend davon gezeichnet - breit gestreut, um das Risiko von vornherein zu minimieren."

Vom investierten Geld blieb kaum etwas übrig

Im Schnitt ist er damit nicht schlecht gefahren. Aber bei einigen dieser Projekte ist von dem einst investierten Geld fast nichts mehr übrig. So auch bei einem Windpark, der in der Nähe von Cuxhaven errichtet wurde: "Es gab dort damals alle möglichen technischen Fehler wie Getriebeschaden, Stillstände, Wartungsstillstände. Und diese Reparaturen waren sehr teuer und teilweise nicht mehr von der Herstellergarantie abgesichert, sodass es in diesem Windpark nie die versprochenen Ausschüttungen gab. Letztendlich hat die Betreibergesellschaft in einer Art Kulanz die Anteile für zehn Prozent ihres Wertes zurückgekauft."

Ein Stapel von Geldscheinen © Fotolia Foto: imageteam

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NDR Info - Infoprogramm -

Geld anlegen für ein besseres Klima oder für mehr Menschenrechte wird immer beliebter. Doch nicht alle ökologischen Fonds halten das was sie versprechen.

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"Anleger gucken oft in die Röhre"

Hellebrand ist Mitglied im Verein Anlegerschutz Windenergie - genau wie Steuerberater Werner Daldorf. Der Verein berät geschädigte Anleger auch vor Gericht. So hat Daldorf in den vergangenen 20 Jahren über 2.000 Jahresabschlüsse von Windkraft-Investments geprüft: "Man kann bei den Schwankungen der Erträge und Kosten sehen, dass die Anleger das schwächste Glied in der Kette sind. Die Banken bekommen ihr Geld und auch die Initiatoren. Aber die Anleger gucken in die Röhre."

Nur jeder achte Fonds erzielt versprochene Erlöse

Nur etwa jeder achte Fonds hat hier die versprochenen Erlöse erzielt. Im Schnitt machten Anleger einen Verlust von mehr als 10 Prozent. Die Anlagen von Rolf Hellebrand waren allesamt Produkte des Grauen Kapitalmarktes. Dieser ist im Vergleich zu Anlagegeschäften bei Banken immer noch vergleichsweise schwach reguliert. Doch die wenigen Vorschriften, die hier gelten, werden oft nicht eingehalten, erklärt Jörn Rehren, verantwortlich für das Marktwächter Projekt Grauer Kapitalmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband: "Bei Vermögensanlagen ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass es bei Werbung einen Warnhinweis geben muss, der lautet: 'Der Erwerb dieser Vermögensanleihe ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen'. Dieser Hinweis muss deutlich hervorgehoben abgedruckt werden."

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Warnhinweis für Anleger fehlt oft

Im Rahmen einer Studie haben die Verbraucherschützer geprüft, ob diese Vorschriften eingehalten werden. Das Ergebnis: Oft fehlt der Hinweis genauso wie die vorgeschriebenen Informationen über die Kosten. Stattdessen finden sich blumige Versprechen zu möglichen Erträgen. Für Kleinanleger seien die meisten Produkte zu teuer und zu riskant, sagen die Verbraucherschützer und fordern eine strengere Regulierung. Die wünscht sich auch Rolf Hellebrand. Denn auch wenn er mit seinen Wind- und Solarfonds auch Verluste eingefahren hat, will er weiter für mehr Klimaschutz investieren: "Ich bereue die Investitionen nicht. Weil ich der Überzeugung bin, dass die Energiewende nötig ist, aus ökologischen und ökonomischen Gründen. Und ich bin der Meinung, dass man den Anlegerschutz so verändern kann, dass die gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen, dass ein Wandel in den umweltrelevanten Technologien auch wirklich möglich ist."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 10.01.2020 | 06:41 Uhr

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