Stand: 20.09.2018 15:30 Uhr  | Archiv

Naturschutz in Afrika über Grenzen hinweg

von Bert Beyers, NDR Hamburg

Es ist eines der größten Schutzgebiete weltweit: der grenzüberschreitende Kavango-Zambezi Nationalpark (KaZa). Hier leben etwa 300.000 Elefanten. KaZa umfasst 36 Nationalparks - etwa das Okavango-Delta in Botswana oder die Victoria-Fälle in Simbabwe. Angola, Sambia und Namibia sind auch an dem Projekt beteiligt. Vor sechs Jahren wurde KaZa gegründet. Das Geld für das Projekt kommt überwiegend aus Deutschland, wie die NDR Info Perspektiven berichten.

Das Boot mit den Touristen gleitet über den Cuando-Fluss. Büffelherden sind zu sehen, Nilpferde - die Stars des Abends aber sind die Elefanten. Das Boot steuert auf das Flussufer zu, damit die Touristen möglichst nah an die Elefanten herankommen. Die lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Das Ausflugsboot ist nicht das einzige, das hier auf dem Grenzfluss zwischen Botswana und Namibia kreuzt. Viele der Touristen an Bord sind in den angrenzenden Lodges abgestiegen, teilweise sehr luxuriös.

Das Geschäft ist die Grundlage für einen riesiges Natur- und Landschaftsschutzprojekt, flächenmäßig so groß wie Frankreich und Großbritannien zusammen. Dass es hier nicht überall so romantisch zugeht wie auf der Bootstour, sagt einer der KaZa-Manager an Bord, Nyambe Nyambe: "Die Wilderei ist ein großes Problem, nicht nur hier. Und wir müssen sehen, dass dies ein Gebiet ist mit mindestens 50 Prozent der afrikanischen Elefanten-Population und anderen wichtigen Tieren wie Löwen und anderen Wildkatzen, Büffeln und sehr speziellen Antilopen."

Geld für den Schutz der Tiere

Eine Antilope im Kavango-Zambezi Nationalpark. © NDR Foto: Bert Beyers
Auch Antilopen fallen der Wilderei zum Opfer.

Der Kampf gegen die Wilderei ist teuer, sagt Lydia von Krosigk von der deutschen KfW-Bank, die das KaZa-Projekt wesentlich finanziert: "Man muss personal-mäßig aufstocken, man muss Infrastruktur bauen, damit dezentrale Camps eingerichtet werden können. Das ist ein Problem, das diese Länder nicht selber geschaffen haben. Das wird von außen, insbesondere aus Asien herangetragen."

Asien? Ist das gesichert? "Das ist, wo die Nachfrage herkommt. Das ist eindeutig China für Elfenbein, aber auch Vietnam, Bangladesch, das ist die Nachfrage für Elfenbein und für Nashorn-Hörner. Diese Routen hat man verfolgen können, welches die Häfen sind, wo das ausgeschifft und wo es hingeliefert wird."

Friedensparks als Beispiel für Zusammenarbeit

Das KaZa-Schutzgebiet wurde 2012 offiziell eröffnet. Seitdem hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Auftrag der Bundesregierung mehr als 35 Millionen Euro für das Projekt bewilligt - ohne Rückzahlung. Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Zimbabwe: Politisch sind die fünf afrikanischen Staaten oft über Kreuz, bei KaZa ziehen sie an einem Strang, bestätigt die Projekt-Managerin: "Es ist einfacher über Naturschutz zu sprechen, es ist einfacher über Tiere zu sprechen. Und dadurch sehen wir auf praktischer Ebene, auf lokaler Ebene, aber auch auf regionaler Ebene eine Zusammenarbeit, die stattfindet, die die Länder näher zusammenbringt. Und deshalb heißen diese grenzüberschreitenden Parks auch Friedensparks." Der Natur-Reichtum ist das, worauf die Anlieger-Staaten setzen. "Mit diesem Naturpotenzial, das ist deren Chance für eine wirtschaftliche Entwicklung für diese Region."

Die Friedensparks bieten auch Bildung und Ernährung

Ohne die regionale Bevölkerung würde es nicht funktionieren. Andrew Nambota hat vor vielen Jahren in Leipzig seine Ausbildung zum Tierarzt gemacht. Heute arbeitet er in Sambia mit und für die heimische Bevölkerung. Auch das ist Teil von KaZa. "Wir haben Schulen eröffnet. Wir haben für Wasser gesorgt, wir zeigen der Bevölkerung, welche Pflanzen sie in ihrem Garten anbauen können. Sie produzieren Gemüse, entweder für sich selber oder für den Verkauf", sagt Nambota. Auch verschiedene Getreidesorten sind dabei: "Zum Beispiel Mais, verschiedene Arten Sorghum oder Hirse, Kartoffeln, Salat, Zwiebeln, eine große Auswahl an Pflanzen." Und das hat seinen Grund: "Wenn wir den Leuten sagen, töte nicht diesen Elefanten, dann sehen sie die Vorteile: nämlich genug eigene Nahrungsmittel. So erleben sie auch den Wert dieses Tieres."

Andrew Nambota, der Tierarzt mit der Ausbildung in der DDR, hat seinen Weg gefunden: "Anfänglich habe ich mit Tieren gearbeitet. Nun tue ich, was ich eigentlich will: mit Menschen arbeiten, der Gesellschaft etwas zurückgeben."

Touristen schaffen Arbeitsplätze

Ein afrikanischer Mann mit Hut. © NDR Foto: Bert Beyers
Kenny ist der Fahrer des Geländewagens. Er führt viele Touristen durch den Nationalpark.

KaZa ist das größte trans-nationale Schutzgebiet weltweit. Die Faustregel: Acht neue Touristen schaffen einen Arbeitsplatz. Lydia von Krosigk sagt: "Die Touristen wollen natürlich alle zu den Hauptattraktionen, wie das Okavangodelta, wie die Victoriafälle und diese speziellen Sachen. Die Region ist groß, hat wunderschöne Plätze, wunderschöne Flussläufe. Und generell würde ich sagen, da ist noch viel Luft nach oben, da können noch viele Touristen kommen."

Am nächsten Morgen gegen sechs Uhr ist es ziemlich frisch. In den offenen Geländewagen liegen Decken für die Safari-Touristen. Elefanten treten aus dem Gebüsch: eine Mutter und ihr Kalb. Die Touristen zücken ihre Kameras. Der Fahrer des Geländewagens heißt Kenny: "Das Gute an meinem Job: Ich treffe viele verschiedene Leute, von überall her. Ich lerne etwas von ihrer Kultur und auch von ihrer Sprache."

Dieses Mal sehen wir den Cuando-Fluss von Land aus. Nilpferde und Krokodile schwimmen darin. Am Ufer: Antilopen, verschiedene Affen-Arten, ein einmaliger Natur-Reichtum. KaZa ist noch lange nicht erschlossen. Einer der nächsten Schritte ist es, ein Visum für alle beteiligten Länder zu schaffen. Das Ziel: eine stabile und selbsttragende Entwicklung, ökonomisch und ökologisch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | NDR Info Perspektiven | 22.09.2018 | 10:00 Uhr

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