Stand: 17.01.2020 19:43 Uhr

Kramp-Karrenbauers CDU muss Haltung beziehen

Die Parteispitze der CDU hat vor ihrer Klausurtagung in Hamburg festgelegt, worüber sie dort nicht sprechen möchte: über eine mögliche Kabinettsumbildung, über den nächsten Kanzlerkandidat der Union und darüber, ob die Koalition mit der SPD noch bis zur nächsten Wahl hält. Stattdessen wird über ein Grundsatzprogramm diskutiert.

Ein Kommentar von Sabine Henkel, WDR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

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Sabine Henkel meint, dass die CDU derzeit keine Attraktivität ausstrahle.

Die CDU will künftig also Haltung zeigen, Annegret Kramp-Karrenbauer ein Haltungsprogramm aufsetzen. Na, so was. Ist ein Grundsatzprogramm nicht immer ein Haltungsprogramm? Das der CDU offenbar nicht. Also wird es höchste Zeit: Haltung her. Aber die CDU will noch mehr: Sie will auch attraktiver werden. Na, dann mal los. Da gibt es einiges zu tun.

Denn diese CDU strahlt derzeit nun wirklich keine Attraktivität aus. Strickjacke, Pulswärmer, Ärmelschoner - irgendwie gestrig und weitgehend orientierungslos. Sie weiß nicht, wie sie aus dieser lange beschworen Mitte herauskommt. Links abbiegen in Thüringen oder rechts abbiegen in Sachsen-Anhalt?!

Haltung haben - und Haltung deutlich machen

Zwar hat der Parteitag es klar formuliert: keine Zusammenarbeit mit Linken und der AfD. Aber im Osten ist das offensichtlich nicht durchgedrungen. So gesehen ist Haltung zeigen eine richtig gute Idee. Endlich!

Die einzig verbliebene Volkspartei sollte in Zeiten wie diesen eigentlich längst eine Haltung haben und sehr deutlich machen, wie sie den Laden, die Gesellschaft zusammenhalten will. Haltung, klare Kante gegen Spalter und Hetzer, gegen Rechtsextremisten und Antisemiten.

Der CDU-Politiker Bernd Althusmann bei einer Veranstaltung auf einem Podium. © dpa picture alliance Foto: Christophe Gateau

Althusmann: "Menschen erwarten Antworten von CDU"

Der CDU-Vorstand kommt in Hamburg zusammen. Dort soll es auch um ein neues Grundsatzprogramm gehen. Mit welchem Ziel, das erklärte Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann auf NDR Info.

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Uneinigkeit in den eigenen Reihen

Allein, mir fehlt der Glaube, dass diese angeschlagene CDU in Hamburg zu einem Bataillon der Stärke wird. Dazu müsste Parteichefin Kramp-Karrenbauer erstmal die eigenen Reihen schließen. Friedrich Merz lässt grüßen. Der Soldat schießt in der eigenen Kaserne.

Kramp-Karrenbauer hat beim Parteitag im vergangenen November zwar einen Befreiungsschlag gelandet, mehr aber auch nicht. Markus Söder ruft aus Bayern nach einer Kabinettsverjüngung - und sonnt sich in Beliebtheitswerten, von denen AKK nur träumen kann.

Es drohen Haltungsschäden

Und dann sind da noch die anderen Möchtegern-Kanzler. Der übereifrige Jens Spahn und der aufdringliche Armin Laschet, der sich nicht zu schade ist, auch "Tatort"-Auftritte im Ersten zu nutzen, um seine Popularität zu steigern.

Und zu allem Überfluss gibt es jetzt auch noch einige Fahnenflüchtige zu melden. Sie wollen die alte CDU wieder haben, die mit der FDP regiert und klar konservativ ist. Als würde die Werte-Union nicht schon genug moppern, jetzt auch noch der liberal-konservative Kreis. Die Parteichefin bekommt aber auch nichts geschenkt. Wenn so viele zerren, könnte es zu Haltungsschäden kommen. Ein Grund mehr im Programm eine klare Haltung festzuhalten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 17.01.2020 | 17:08 Uhr

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